Seit 1841 für Köpenicker Haare im Einsatz

Marlis und Jörg Seidler in ihrem Geschäft. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Salon Seidler |

Köpenick. Sicher, die Jubiläumsfeier ist ein kleiner Kunstgriff, und die Familie Seidler selbst ist „erst“ seit 1907 präsent. Gegründet wurde der Salon tatsächlich schon 1841.

„Am 1. April 1841 hat Friedrich Uetze in der damaligen Schloßstraße (heute Alt-Köpenick) einen Salon eröffnet. In den nächsten Jahren zog er mehrfach um, blieb aber in der Köpenicker Altstadt“, erzählt Friseurmeister Jörg Seidler (60). Uetze zog damals noch gelegentlich Zähne und verarztete kleine Wunden, 1876 gründete er die Cöpenicker Friseurinnung. Er verstarb 1901, dann führte ein Georg Schwarz das Geschäft wenige Jahre.

Im Jahr 1907 kaufte Gustav Seidler, der Großvater des heutigen Besitzers, für 1500 Mark den Salon. Und auch Großvater Seidler musste mehrmals umziehen, als das Rathaus vergrößert wurde, zog er in die Grünstraße 4. „Mein Opa hat unter anderem die heiße Dauerwelle eingeführt. In seinem Salon verkaufte er auch Toilettenartikel wie Seife, Rasierwasser und Parfüm“, erzählt Jörg Seidler.

Der heutige Chef hat das Geschäft 1983 von seinem Vater Fritz übernommen. Seidlers konnten dem Bestreben, Handwerksbetriebe in Produktionsgenossenschaften zusammenzuschließen trotzen, privat blieb hier privat. Acht bis neun Gesellen arbeiteten in besten Zeiten in der Firma, dazu kamen drei bis vier Lehrlinge. Bis zum Ende der DDR gab es in der Köpenicker Altstadt zwei Friseurgeschäfte. Mit der Wende kam dann die Konkurrenz, heute schnippeln und fönen sieben Friseurfirmen um die Gunst der Kunden. Und Seidler musste noch einmal umziehen, 2004 ging es von der Grünstraße in die Rosenstraße.

Zu den langjährigen Kunden gehört Ulrich Wienbeck (65). „Ich komme seit 40 Jahren in den Salon Seidler. Ich wohne in der Altstadt, habe einen kurzen Weg und schätze die traditionelle Handwerksarbeit. Außerdem kann man sich mit Herrn Seidler über Gott, die Welt und sogar Politik unterhalten“, sagt der Senior.

Rund 80 Prozent der Kunden sind Stammkunden, schätzt der Firmeninhaber. Und die bevorzugen klassisches Friseurhandwerk und nicht so sehr Experimente. „Wir bilden uns aber ständig weiter und besuchen entsprechende Seminare“, versichert der Friseurmeister.

Heute teilt sich Jörg Seidler Arbeit und Kunden nur noch mit Ehefrau Marlis (58) und Schwiegertochter Katharina (35). Bis zur Rente will er noch das Traditionsgeschäft führen. „Das 180. Jubiläum werden wir sicher noch feiern“, verspricht Jörg Seidler zum Abschied. RD
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