Gewerbe, Wohnen oder beides: Debatte um die Bockbrauerei ist noch nicht zu Ende

Bisher war das Areal der Bockbrauerei ein reiner Gewerbestandort. Ob es dabei bleibt oder dort auch Wohnungen gebaut werden, darüber wird derzeit gestritten. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Bockbrauerei |

Rund eine Stunde hat sich der Stadtplanungs- und Wirtschaftsausschuss bei seiner vergangenen Sitzung mit der Zukunft des Geländes der ehemaligen Bockbrauerei an der Fidicinstraße beschäftigt.

Auch ein mehrheitliches Meinungsbild schälte sich dabei heraus: Das Areal soll sowohl als Gewerbestandort erhalten, aber Wohnungsbau erlaubt werden. Als aber über einen entsprechenden Antrag abgestimmt werden sollte, meldete Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne) Bedenken an. Werde die Vorlage so beschlossen, beraube sich der Bezirk seiner bisherigen Handlungs- und Eingriffsmöglichkeiten, so die Quintessenz seiner Aussagen. Denn der Antrag fordere, ein Mischgebiet für das Areal auszuweisen. Diesen Status hätte es aber bereits und der sei mit einer Veränderungssperre belegt worden. Ein erneutes pro-Mischgebiet-Votum würde aber diese Eingriffsmöglichkeit aufheben. Und davon würde der Investor profitieren.

Jenseits dieser Exkursion ins Baurecht geht es vor allem um Folgendes: Das Immobilienunternehmen Bauwert hat das Gelände 2015 gekauft und wollte dort vorwiegend Wohnungsneubau errichten. Das stieß auf breiten Widerspruch beim Bezirksamt und der Bezirksverordnetenversammlung, die dort weiter ausschließlich ein Gewerbegebiet sehen wollte. Durch die Veränderungssperre und einen eingeleiteten Bebauungsplan wurde diesen Plänen des Bauherrn erst einmal ein Riegel vorgeschoben. Was dazu führte, dass sich der Eigentümer bewegte und als Kompromiss eine Mischnutzung von jeweils rund 50 Prozent Wohnen und Gewerbe anbot (wir berichteten). Außerdem machte Bauwert-Chef Jürgen Leibfried in einem Brief weitere Zugeständnisse, etwa einen Anteil an preisgünstigen Wohn- und Gewerbeflächen, Bestand für mehrere bisher ansässige Betriebe und Einrichtungen oder das Herrichten eines Teils der Gebäudekeller als Erinnerungsort an die Zwangsarbeiter auf dem Gelände während des Zweiten Weltkriegs.

Druck auf Investor

Mit diesen Vorschlägen gebe es zumindest Verhandlungsbasis, meinte eine Mehrheit im Ausschuss und ließ durchblicken, dass sie ihnen, wenn auch vielleicht noch mit weiteren Verbesserungen, folgen könnten. Man sollte deshalb "entsprechenden Druck aufrecht erhalten", um noch das eine oder andere mehr herauszuschlagen, meinte Lothar Jösting-Schüßler (Linke). Etwa einen höheren Anteil an bezahlbaren Angeboten. Vor allem sollte das schriftliche Entgegenkommen der Bauwert in einen hieb- und stichfesten Vertrag münden.

Das gehe schon mal gar nicht so ohne Weiteres, konterten die Grünen, die sich als einzige gegen die mögliche Kompromisslösung aussprachen. Unterstützt wurden sie dabei auch von einigen Anwohnern. Der Erhalt von Gewerbeflächen sei ebenfalls ein wichtiges Anliegen, betonte ihr Fraktionsvorsitzender Julian Schwarze. Und bisher habe auch Einigkeit darüber bestanden, dass die Bockbrauerei dafür weiter ein geeigneter Standort sei. Bei einer Mischnutzung könne es zu Lärmkonflikten kommen. Und im Übrigen lasse sich auch mit dem Vermarkten eines Geschäftsquartiers eine Menge Geld verdienen.

Baustadtrat Schmidt erkläre, dass er davon ausgehe, "dass wir den Bebauungsplan weiter führen". Für ihn bedeutet er das beste Druckmittel gegenüber dem Investor. Ein zumindest vorschnelles Einschwenken auf dessen Kompromiss entziehe diese Möglichkeit. Zumindest müsse ein entsprechender Vorstoß so formuliert werden, dass es dazu nicht komme. Was dann eine Vertagung und damit erneute Wiedervorlage bei der Sitzung am 6. Dezember nach sich zog.
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