Google Campus ausgebremst: Bauantrag zunächst abgelehnt

Der Standort für den geplanten Google-Campus an der Ecke Ohlauer Straße und Paul-Lincke-Ufer. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Umspannwerk Kreuzberg |

Kreuzberg. Im ehemaligen Umspannwerk an der Ohlauer Straße will der Internetriese Google seinen weltweit siebten Campus eröffnen. Aber das Projekt wird sich wahrscheinlich verzögern.

Den eingereichte Bauantrag hat das Stadtplanungsamt erst einmal abgelehnt. Er sah einen Umbau des Bestandsgebäudes vor, zu dem auch ein neu konzipierter Veranstaltungsraum für 200 Besucher gehörte. Vor allem dessen vorgesehene Nutzung vertrage sich aber nicht mit der Nachbarschaft in einem Mischgebiet, erklärte Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne).

Einige Mitglieder im Stadtplanungsausschuss irritierte diese Aussage etwas. Sie erinnerten daran, dass das einstige Umspannwerk auch schon als Party-Location bekannt war. Die hätte wahrscheinlich mehr Lärm verursacht, als irgendwelche Online-Nerds oder Start-up-Gründer, die Google dort zusammenbringen will. In dem Gebäude sollen unter anderem Workshops angeboten und neue Geschäftsideen entwickelt werden.

Weniger die Lautstärke auf dem Campus, sondern vielmehr die Geräusche der Gäste nach dem Verlassen einer Abendveranstaltung seien das Problem, führte Stadtplanungsamtsleiter Matthias Peckskamp aus. Das betreffe auch den Erschließungsverkehr. Erschwerend komme hinzu, dass die Google-Events auch unter der Woche und teilweise bis weit nach Mitternacht dauern sollen.

Das aktuelle Zurückweisen des Bauantrags bedeute aber nicht das Aus, machte Stadtrat Schmidt deutlich. Vielmehr gehe es jetzt um einen weiteren Dialog, bei dem allerdings Nachbesserungen von Google verlangt und erwartet werden.

Mit seiner persönlichen Einstellung oder der des Bezirks zum Campus-Projekt habe das bisherige Zurückweisen des Bauantrags nichts zu tun, betonte Schmidt. Dabei gehe es ausschließlich um Rechtsfragen. Die gerade in jüngster Zeit zu beobachtende Präferenz mancher Großkonzerne für einen Standort im Bezirk sorgt inzwischen für die bekannten Abwehrreflexe. Sie würde die Verdrängungs- und Gentrifizierungstendenzen weiter verstärken, lautet auch in diesem Fall der Vorwurf. Schmidt ließ durchblicken, dass er solche Ansiedlungen ebenfalls eher kritisch sieht. "Aber ich habe nicht die Aufgabe zu sagen, wir wollen Google nicht."
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