Investor der Cuvrybrache stellt geplantes Wohnquartier in Frage

Einst sollte auf der Cuvrybrache ein Einkaufszentrum entstehen. Aktuell sind Wohnungen und Büros geplant. Ob daraus etwas wird, ist inzwischen aber ebenfalls fraglich. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Cuvrybrache |

Kreuzberg. Die sogenannte Cuvrybrache zwischen Schlesischer Straße und Spree ist ein legendäres Grundstück. Sie beherbergte einst das Yaam oder bis September 2014 ein Hüttendorf, das als Kreuzberg Favela über Berlin hinaus bekannt wurde.

Solche gewollte oder ungewollte Zwischennutzungen waren auf der etwa 11 000 Quadratmeter großen Fläche auch deshalb immer wieder möglich, weil es dort mehrfach Baupläne gab, die dann doch nicht realisiert wurden. Aktuell sieht das wieder so aus. Auch wenn der Fall dieses Mal etwas anders liegt.

Eigentümer des Areals ist seit gut drei Jahren die Firma Terra Contor des Immobilienunternehmers Artur Süsskind. Sie plante dort ein neues Wohn- und Büroquartier. Das war, wie so ziemlich alle Neubauprojekte in dieser Gegend, natürlich von Anfang an umstritten. Die Gegner sahen hier eine Art Luxusenklave im Wrangelkiez entstehen.

Gegenleistung erbringen

Etwas abgemildert werden sollten diese Befürchtungen durch das vor einem Jahr vom Senat verabschiedete Modell der kooperativen Baulandentwicklung. Es sieht vor, dass Investoren von großen Bauvorhaben zu Gegenleistungen zugunsten der Allgemeinheit verpflichtet werden. Neben einer finanziellen Beteiligung beim Bau von Kitas oder anderen öffentlichen Einrichtungen ist deren Herzstück ein geforderter Anteil von rund 25 Prozent der geplanten Wohnungen, die zu einem Preis um die 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden sollen. Der Investor kann sie entweder selbst zur Verfügung stellen oder entsprechende Flächen an eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft abtreten, die dann die preisgünstigen Appartements errichtet.

Bei der Cuvrybrache ist genau das jetzt der Knackpunkt. Denn die Terra Contor ist anscheinend nicht bereit, diese Marge zur Verfügung zu stellen. Ihr Angebot liegt bei einem Anteil von zehn Prozent im 6,50-Euro-Segment. Gefordert wurde von ihr außerdem noch ein Kindertagesstätte sowie Grünflächen und ein frei begehbarer Uferweg über ihr Grundstück.

Deshalb stellt das Unternehmen jetzt das gesamte Bauprojekt in Frage. Und hat bei diesem Vorgehen erst einmal ganz gute Karten. Denn laut bisherigem Bebauungsplan handelt es sich bei der Cuvrybrache um eine Gewerbefläche. Das bedeutet, die Terra Contor könnte ohne größere Hürden in dieser Richtung aktiv werden, was sie, wie zu hören war, auch bereits angedeutet hat. Ebenfalls möglich wäre ein Verkauf.

Bleibt es dabei, gibt es auf dem Grundstück keinen Wohnungsbau, an dem aber gerade dem Senat sehr gelegen ist. Und natürlich auch keine weiteren Verpflichtungen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hält sich bisher daran fest, dass es noch keine komplette Absage für das vorgesehene Quartier gegeben habe. Deshalb würden auch weitere Gespräche stattfinden.

Die werden aber sicher nicht ganz einfach. Denn wenn sie dem Investor vor allem bei der 25-Prozent-Forderung an bezahlbaren Wohnungen entgegenkommt, wäre das wiederum anderen Bauherren schwer zu vermitteln, bei denen dieser Anteil bereits durchgesetzt wurde oder so vorgesehen ist. Im Bezirk war das zuletzt zum Beispiel bei den Neubauten auf dem Freudenberg-Areal zwischen Boxhagener und Weserstraße oder bei den Friedrichshain-Höfen an der Frieden- und Pufendorfstraße der Fall.

Dass der Senat und nicht wie normalerweise der Bezirk an der Cuvrybrache direkt involviert ist, hängt ebenfalls mit der Vorgeschichte des Geländes zusammen. Ende der 90er-Jahre war dort ein Einkaufszentrum geplant, was der damalige Kreuzberger Bürgermeister Dr. Franz Schulz (Bündnis 90/Grüne) ablehnte. Deshalb zog die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Verfahren an sich. Was bis heute so geblieben ist. tf
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