Umbau des Postscheckareals: Investor stellt im BVV-Ausschuss seine Pläne vor

Skizze der geplanten Bauvorhaben auf dem Postscheckareal. das graue Rechteck in der Mitte markiert das Hochhaus. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Zu Beginn seines Vortrags war Christoph Gröner noch akkurat mit Krawatte bekleidet. Gut zwei Stunden später hatte er den Schlips längst abgelegt und seinen obersten Hemdknopf geöffnet.

Dass immer legerere Aussehen des Chefs der CG-Immobiliengruppe symbolisierte den Verlauf der Debatte auf der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses. Es ging um das Bauvorhaben des Projektentwicklers dem Postscheckareal am Halleschen Ufer. Ende 2016 verlässt die Postbank den Standort mit dem markanten Hochhaus.

Die CG-Group plant den Bau eines neuen Stadtquartiers an dieser Stelle. Als einziges der bisherigen Gebäude bleibt der Tower erhalten. Darin will sie mehr als 300 möblierte Appartements einrichten. Um den Tower herum entstehen fünf neue Wohnkomplexe mit bis zu acht Etagen. An der nordöstlichen Seite des Grundstücks errichtet die Degewo mit Hilfe der Wohnungsbauförderung des Landes Berlin ein Wohngebäude. Die Nettokaltmiete soll 6,70 Euro pro Quadratmeter kosten. Zudem soll laut Christoph Gröner im südwestlichen Bereich ein Gebäude speziell für Familien gebaut werden. Die Nettokaltmiete werde rund zehn Euro betragen. Auch eine Kita sei geplant. Rund 70 Prozent des gesamten Bauvolumens sei für Wohnen vorgesehen, der Rest für Gewerbe, das entlang des Halleschen Ufers und rund um den Hochhaus-Vorplatz angesiedelt werden soll. Der Vorplatz selbst werde eine neue Aufenthaltsqualität bieten. Insgesamt sei das Vorhaben eine Art Geschenk an den Bezirk. "Wir entwickeln Ihnen eine Fläche, die ansonsten in knapp zwei Jahren brach liegt", erklärte Gröner.

Statt dankbar Beifall zu klatschen, stellten viele Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses kritische Fragen zum Vorhaben. Gröner hatte den Anteil der günstigen Wohnungen am Gesamtprojekt mit rund einem Drittel angegeben und dabei auch seine zehn Euro-Familienquartiere mit eingerechnet. Dieser Mietpreis liege nicht mehr im bezahlbaren Segment, erklärte zum Beispiel der SPD-Bürgerdeputierte Volker Härtig. "Darunter bekommen Sie heute keine Wohnung gebaut", erklärte dazu der CG-Chef.

Weitere Kritikpunkte waren zu wenig öffentliche Bereiche, die Gebäudehöhe, ein höheres Bauvolumen als ursprünglich angegeben und die nicht eindeutige Zahl der geplanten Wohnungen. Gröner gab zu verstehen, dass ihm an einem Einvernehmen mit dem Bezirk gelegen sei. Er wolle nicht ausschließen, dass der Anteil günstiger Mietwohnungen noch erhöht werden könne. Vertreter der Degewo reagierten gleich und könnten sich dies durchaus vorstellen.


Thomas Frey / tf
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