Technikmuseum startete Projekt Data Run für Schüler

Coskun (an den Tasten) und einige Mitschüler sind beim Data Run eifrig dabei, den Hackern das Handwerk zu legen. (Foto: Thomas Frey)
 
Per Handyrecherche leisten My (14) und Natalie (13, von links) ihren Beitrag zum Data Run. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Ladestraße Deutsches Technikmuseum |

Kreuzberg. Rund 25 Schüler sitzen um einen U-förmigen Tisch. Die Situation erinnert zunächst an Unterricht, bis auf einmal ein Handy klingelt.

Die Störung ist gewollt und gibt das Startsignal für den Data Run, das neueste Angebot im Deutschen Technikmuseum. Die Premiere fand am 9. Februar mit der Klasse 8c des Friedrichshainer Dathe-Gymnasiums statt.

Der Data Run soll Schüler spielerisch für die Themen Datenklau und Überwachung im Netz sensibilisieren. Er entstand als Kooperationsprojekt zwischen dem Museum und der Medienanstalt Berlin Brandenburg.

Sein Ausgangsszenario: Kriminelle Hacker attackieren die Versorgungseinrichtungen Berlins. De Teilnehmer sollen den Angriff abwehren. Dafür müssen sie Informationen auswerten, neue Spuren entdecken, Passwörter ausfindig machen, verborgenen Hinweisen nachgehen. So entwickelt sich eine virtuelle und teilweise analoge Schnitzeljagd. Denn um die Hacker unschädlich zu machen, sind auch Exkursionen in die Ausstellung "Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme" nötig, in deren Begleitprogramm der Data Run angesiedelt ist. So werden die Schüler gleichzeitig auf die Schau aufmerksam gemacht.

Nach dem Startsignal setzt sofort reges Treiben ein. Erste Informationen lassen sich aus dem Anruf filtern und mit Hilfe eines Computers verarbeiten. Coskun (14) übernimmt das. Einige Mitschüler rufen ihm das wahrscheinliche Passwort zu. Er gibt es ein. Treffer.

Danach schaffen es die Datendetektive, mit einem vermeintlichen Informanten zu chatten. Der bleibt aber erstmal misstrauisch, will wissen, ob sie nicht vielleicht vom BND kommen. Was zu der Wissensfrage führt, wofür das Kürzel BND steht.

Längst sind die herkömmlichen Unterrichtsrituale gesprengt. Die Klasse redet durcheinander, viele wollen ihren Beitrag zu den nächsten Lösungsschritten leisten. Coskum muss die Informationen erst einmal bündeln. "Nicht alle auf einmal", sagt er.

Aber die Hackerjagd kommt gut voran. Eine Garderobenmarke, die eine Schülerin auf ihrem Platz entdeckt, führt zu einem Koffer, in dem sich Tablets befinden. Mit ihrer Hilfe stoßen die Schüler auf APP's sowie Anhaltspunkte in der Ausstellung. Und natürlich gelingt es schließlich, die Attacke auf Berlin abzuwehren.

Interessant war dabei nicht nur zu beobachten, wie fast alle von dem Data Run mitgerissen wurden, sondern auch, wie sich die Rollen verteilten. Während manche schnell die Geräte ins Visier nahmen, agierten andere eher mit Tipps im Hintergrund oder widmeten sich mehr der analogen Spurensuche. Das könnte zumindest ein Beleg dafür sein, dass es bei den 13- und 14-Jährigen noch einige Unterschiede in den interaktiven Kenntnissen und deren Nutzungshäufigkeit gibt.

Der Data Run weist sie auf manche Gefahren in der virtuellen Welt hin. Und am besten gelingt das eben mit so einem Plot, wie dem Hackerkrimi. Die Schüler hätten so einen Zugang nicht bekommen, wenn das Thema im Unterricht besprochen worden wäre, meinten auch die Lehrer Anja Preuß und Sören Priebe. Deshalb hätten sie sich auch für die Veranstaltung gemeldet.

Das können jetzt auch andere 8. bis 10. Klassen machen. Der Data Run findet jeden Donnerstag von 10 bis 13 Uhr in der Ladestraße des Technikmuseums, Eingang über die Möckernstraße, statt. Das Angebot ist kostenlos, es muss nur der ermäßigte Eintritt für Schülergruppen von zwei Euro pro Person bezahlt werden. tf

Buchung unter  24 74 98 88 oder museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de.
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