Der gefährliche Kick am S-Bahngleis

Nah am Zug. Das gilt nicht nur für den Streckenabschnitt hinter dem S-Bahnhof Yorckstraße. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Am 31. März wurde im S-Bahntunnel zwischen Yorckstraße und Anhalter Bahnhof die Leiche eines 13-jährigen Jungen entdeckt. Das Kind war nach den bisherigen Ermittlungen wahrscheinlich vom Fahrtwind eines Zuges erfasst worden.

Passiert ist das bei einem gefährlichen Spiel. Denn der Tote sowie ein 14 Jahre alter Freund hatten sich anscheinend einen Spaß daraus gemacht, Münzen auf die Schienen zu legen und wollten beobachten, was passiert, wenn eine Bahn darüber fährt. Der 14-Jährige war kurz vor dem Unglück nach Hause gegangen. Nach seinen Angaben wollte der Kumpel noch etwas bleiben.

Ein solcher Kick am Gleis scheint bei einigen Jugendliche angesagt zu sein. Deutlich wurde das in den Tagen nach dem 31. März: Mehrfach wurden Personen an Bahnstrecken beobachtet, auch erneut im Tunnel an der Yorckstraße. Der Verkehr musste nicht nur dort zeitweise unterbrochen werden. Möglicherweise handelt es sich bei einigen Fällen um Trittbrettfahrer, die sich erst durch das tragische Ereignis herausgefordert fühlten. Aber vielleicht wurde auf das Phänomen danach auch einfach mehr geachtet.

Im Bereich der Unfallstelle ist es recht leicht, an die Strecke zu kommen. Zur ihr führt sogar eine Treppe, die über einen Trampelpfad und eine Brücke über dem Tunneleingang zu erreichen ist. Zwar sind dabei einige Barrieren zu überwinden - für abenteuerlustige Jugendliche sind die aber kein Hindernis. Über die Treppe verschaffte sich wahrscheinlich auch der tote 13-Jährige Zugang.

Dass sie relativ problemlos genutzt werden kann, ist eigentlich eine Sicherheitsmaßnahme. Der Ausstieg ist dafür gedacht, bei einem Unglück im Tunnel die Fahrgäste schnell aus der Gefahrenzone zu bringen. Deshalb wird er auch nicht abgesperrt.

Ob nicht nur in diesem Bereich nachgerüstet werden muss, will die Bahn jetzt prüfen. Alle Strecken völlig zugangssicher zu machen, wird aber kaum möglich sein. Vor allem Heranwachsende sollten deshalb von solchen gefährlichen Begegnungen mit dem Schienenverkehr abgehalten werden.


Thomas Frey / tf
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