Ausstellung erzählt von Häusern und Menschen

Zitate, Erläuterungen, Zeittafeln und viele historischen Fotos machen die Ausstellung lebendig und interessant. (Foto: Schilp)

Kreuzberg. Zehn Adressen auf zehn Tafeln: Die Ausstellung "Geschichte von Orten im Wrangelkiez" nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise und zeigt, wie sich das Quartier entwickelt hat. Bis Ende August ist die Schau im "Spreeraum" am May-Ayim-Ufer 9 zu sehen.

Die Vorgeschichte ist ungewöhnlich. Den Anstoß zur Ausstellung gaben türkische Bewohnerinnen des Wrangelkiezes, die ihr Interesse an deutscher Geschichte bei einem Ausflug zum Schloss Charlottenburg entdeckten. Sie begaben sich auf Spurensuche im eigenen Viertel. Besonders interessierten sie sich für die Menschen, die hier gelebt und gearbeitet hatten. Der Quartiersbeirat Wrangelkiez unterstützte die Aktion und half, die Schau auf die Beine zu stellen.

Die Ausstellung erzählt unter anderem vom Görlitzer Bahnhof, erbaut 1865. Von hier aus fuhren Züge in die Lausitz und nach Schlesisen. Die Straßen in der Umgebung wurden erst später angelegt und nach den Zielorten der Eisenbahnlinie benannt. So bebaute allein der Spekulant Emil Paul Haberkern in nur drei Jahren die Lübbener, Oppelner und Sorauer Straße mit Mietskasernen für Arbeiter. Der traurige Standard: ein Wohnraum, Wasserpumpe auf dem Hof, ein Klosett für 40 Leute.

Auch später, nach Mauerbau, blieben die "Haberkernblöcke" Objekte von Spekulanten. Sie ließen die Wohnungen verwahrlosen, um sie abreißen zu können und sich Subventionen für Neubauten zu erschleichen. Die zunehmenden Proteste gegen die "Kahlschlagsanierung" seit den späten 70er Jahren machten dieses Vorhaben zunichte.

So erfährt der Besucher anhand konkreter Adressen viel über die Vergangenheit und Gegenwart des Wrangelkiezes. Geklärt wird zum Beispiel die Frage, wie eine Kopie der weltberühmten "Schwarzen Madonna von Tschenstochau" in die St. Marien-Liebfrauen-Gemeinde an der Wrangelstraße 50 kam. Man erfährt, dass es seit 1849 ein Wellenbad in der Spree gab und wie der harte Schulalltag der Arbeiterkinder aussah. Die Geschichten der Oberbaumbrücke und des "Kato", des Kaufhauses am Tor, werden erzählt, und eine Tafel ist den Kinos gewidmet. In den 50er Jahren reihten sich nämlich neben dem "Lido" noch mindestens sechs andere Lichtspielhäuser entlang der Schlesischen und der Köpenicker Straße. Sie alle hatten den offiziellen Status eines "Grenzkinos": Im Angebot waren Sondervorstellungen für DDR-Bürger, die statt einer Mark nur 25 Pfennig Eintritt zahlen mussten. Die Mauer setzte diesem Treiben ein Ende.

Nach der Präsentation wird die Ausstellung, samt einer Begleitbroschüre, der Eberhard-Klein-Oberschule übergeben - für das Unterrichtsfach "Stadtteilorientiertes Lernen".

"Geschichte von Orten im Wrangelkiez" kann täglich von 10 bis 24 besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Susanne Schilp / susch
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