Bezirk fordert Zentralbibliothek am Blücherplatz

Das Gebäude der Amerika-Gedenkbibliothek. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Der Neubau einer Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tempelhof ist vor allem das Lieblingsprojekt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Es ist aber heftig umstritten.

Auch in Friedrichshain-Kreuzberg. Dort machen sich Bezirksamt und BVV inzwischen aus nahe gelegenen Gründen für eine andere Alternative stark. Nämlich eine Erweiterung der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) am Blücherplatz. Sie soll zum alleinigen Standort der Landesbücherei werden.

Derzeit ist die AGB neben dem Standort Breite Straße in Mitte eine der beiden Adressen der ZLB. Sie sollen nach den bisherigen Plänen zugunsten des Neubaus in Tempelhof aufgegeben werden. Was schon seit langem die Frage aufwirft, was dann aus dem Gebäude der Gedenkbibliothek wird? Der frühere Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hatte bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, es an den Bezirk zu übergeben, was der aber abgelehnt hat. Denn befürchtet werden hohe Unterhaltungskosten.

Umso mehr legen sich die Verantwortlichen in Friedrichshain-Kreuzberg jetzt für die "große Lösung" ins Zeug. Einen Erweiterungsbau an dieser Stelle zu errichten sei kein Problem, erklärt Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne). Er könnte auch zumindest teilweise auf der bisherigen Freifläche errichtet werden. Zumal ihm als Ausgleich dafür ein neuer Grünzug vom AGB-Grundstück in Richtung der Friedhöfe am Halleschen Tor vorschwebt. "Dort könnte ein Bibliotheksgarten entstehen." Dafür müsste allerdings die Blücherstraße zwischen Zossener Straße und Blücherplatz entweder ganz aufgegeben oder zumindest eingeengt werden.

Zupass kommt dem Bezirk bei solchen Vorstellungen, dass für die kommenden Jahre ohnehin eine Umgestaltung der südlichen Friedrichstadt geplant ist. Sie betrifft das gesamte Gebiet zwischen Mehring- und Blücherplatz, einschließlich einiger Bereiche in der Wilhelm- und Lindenstraße. Das Konzept soll im Rahmen einer umfassenden Bürgerbeteiligung erarbeitet werden. Dazu hat es am 9. Mai die Auftaktveranstaltung zu einem öffentlichen Workshopverfahren gegeben. Auch dort stieß die AGB-Idee auf großen Beifall der ungefähr 60 Teilnehmer. Für den Standort spreche auch seine zentrale Lage, direkt an zwei U-Bahnlinien, so ein weiteres Argument von Stadtrat Panhoff. Außerdem die Nachbarschaft zu weiteren Kultureinrichtungen, etwa dem Jüdischen Museum und der Berlinischen Galerie.

Die endgültige Entscheidung liegt allerdings nicht beim Bezirk, was auch Patrick Weiss von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung deutlich machte. "Wir konzentrieren uns auf das Vorhaben in Tempelhof", gab er die zumindest bisherige Marschroute der Landesregierung aus.

Einen gewissen Aufschluss, ob der Bibliotheksbau auf dem einstigen Flughafengelände wirklich noch eine Zukunft hat, wird der Volksentscheid am 25. Mai bringen. Stimmt dort eine Mehrheit gegen jegliche Bauvorhaben, liegt auch dieses Vorhaben erst einmal auf Eis. Aber selbst wenn der Vorschlag des Senats auf Zustimmung stößt, der vor allem Wohnungsbau an den Rändern des Areals vorsieht, sind die ZLB-Pläne damit noch längst nicht abgesegnet. Gerade in den vergangenen Tagen gab es erneut Kritik. Etwa vom Landesrechnungshof, der auf die schon jetzt ausufernden Kostenpläne hinwies. Auch mögliche Alternativen nannten die Rechnungsprüfer. Eine davon hieß: Die Amerika-Gedenkbibliothek.


Thomas Frey / tf
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