Das (Über-)Leben des Gad Beck: Theaterfassung einer besonderen Biografie

Das Gad-Ensemble. (Foto: Helmut Schmidt)
Berlin: Theater Tiyatrom |

Kreuzberg. In der Beschreibung des Holocausts dominiert bis heute das Bild der jüdischen Opfer, die ohne Gegenwehr in die Vernichtungslager transportiert und umgebracht wurden. Es gab aber auch Juden, die untertauchten und teilweise sogar Widerstand leisteten.

Ihre Zahl war zwar im Verhältnis der rund sechs Millionen Ermordeten sehr klein, aber allein in Berlin wird von etwa 2000 Menschen ausgegangen, die, meist mit Hilfe vieler Unterstützer, die Nazizeit überleben konnten. Einer von ihnen war Gad Beck (1923-2012).

Unter dem Titel "Und Gad ging zu David" hat er 1995 seine Erinnerungen an diese Zeit veröffentlicht. Eugen Ruge, 2011 Träger des deutschen Buchpreises, machte daraus eine Bühnenfassung. Sie wird, inszeniert vom Ensemble "Gad" unter der Regie von Horst Ruprecht, ab 13. Mai im Theater Tiyatrom, Alte Jakobstraße 12, aufgeführt.

Alltag mit viel Chuzpe

Gad Becks Überlebensgeschichte ist in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich. Er war nicht nur als "rassisch Verfolgter" vom Tod bedroht, sondern auch als Homosexueller. Sein Schwulsein lebte er ebenso offen wie er der Gefahr einer möglichen Entdeckung vor allem mit Frechheit und Chuzpe begegnete. Schon deshalb fasziniert diese Biografie. Auch wenn es später einige Fragezeichen gab, ob der Verfasser nicht vielleicht manche Erlebnisse zugunsten einer gelungenen Pointe etwas verfremdet hat.

Plädoyer für Toleranz und Zivilcourage

Für das Gad-Ensemble sind die Memoiren "eine Story, die gelegentlich schockiert, aber auch amüsiert". Bei den Darstellern handelt es sich um Absolventen verschiedener Schauspielschulen. Regisseur Ruprecht hat als Schauspieldirektor und Ensembleleiter bei verschiedenen Theatern gearbeitet, unter anderem in Meiningen, Halle, Magdeburg und Leipzig. Zur Bühnenversion von Eugen Ruge gehören auch neun Songs. Die Inszenierung wird als "ein erfrischend unmoralisches Plädoyer für Toleranz und Zivilcourage" beschrieben.

Gad Beck lebte ab 1947 mehr als 30 Jahre in Israel. 1979 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Leiter der Jüdischen Volkshochschule. Sehr eng war seine Zusammenarbeit mit Heinz Galinski, dem langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Berlin und später des Zentralrats der Juden in Deutschland. Nicht erst nach Erscheinen seines Buchs war Gad Beck ein gefragter Zeitzeuge und trat bei zahlreichen Lesungen und Veranstaltungen auf. Ebenso wie anderen Holocaust-Überlebenden war es ihm wichtig, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus’ gerade auch bei den nachwachsenden Generationen nicht vergessen werden. Auch das Theaterstück leistet dazu seinen Beitrag. tf

Die Premiere am 13. Mai beginnt um 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 20., 21., 27. und 28. Mai sowie 4., 5., 9., 10., 16. und 17. Juni, alle ebenfalls 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Euro. Karten gibt es unter  615 20 20. Weitere Informationen finden sich auf den Websites: www.tiyatrom.de und www.und-gad-ging-zu-david.de.
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