Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer am Blücherplatz

Kreuzberg. Als die Amerika-Gedenkbibliothek öffnete, kamen täglich 500 Kunden. Inzwischen sind es fast zehnmal so viele. Rechtzeitig zu ihrem 60. Geburtstag wurde sie rundum erneuert und strahlt wieder als höchst lebendiges Denkmal am Blücherplatz.

Der gehört mit dem Mehringplatz zu den berühmten Doppelplätzen Berlins, die auf die Stadterweiterung des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. vor genau 280 Jahren zurückgehen. Fast immer gab es einen Platz innerhalb der Zollmauer (Akzisemauer) und einen draußen. So entstand am Südende der königlichen Stadt der "Platz vor dem Halleschen Tor".

Als eine frühere Blücherstraße dem Bahnbau weichen musste, wurde 1885 der Platz vor dem Tor nach "Marschall Vorwärts", Gebhard Leberecht von Blücher, dem volkstümlichsten General der Befreiungskriege benannt. Aus "Rondeel" oder Rondell, wurde Belle-Alliance-Platz, benannt nach dem Gehöft, wo sich Blücher und Wellington vor der Schlacht gegen Napoleon trafen. 1945 störten Platz- und Straßenname den ersten Stadtkommandanten des französischen Sektors, General Geoffrey de Beauchêsne.

So kamen 1947 Mehringplatz und Mehringdamm. Als eine neue Brücke 1975 die direkte Verbindung von Wilhelmstraße zum Damm herstellte, wurde die alte zum Blücherplatz samt ihrer Figuren als Hallesche-Tor-Brücke restauriert, der Blücherplatz vergrößert und die Blücherstraße verlängert.

Eine alte Militärgegend. Die nahe, von Zinnentürmen gekrönte Garde-Dragoner-Kaserne, wurde samt ihrer Pferdeställe um 1854 erbaut. Sie bekam traurige Berühmtheit bei Revolutionskämpfen im Januar 1919, als hier einquartierte Truppen am Belle Alliance-Platz sieben Parlamentäre aus der besetzten "Vorwärts"- Redaktion erschossen. Daran erinnert eine Gedenktafel im heute hier ansässigen Finanzamt.

Am 17. September 1954 wurde die Amerika-Gedenkbibliothek eröffnet und galt lange wie das Amerikahaus, die FU-Universitätsbauten und die alte Kongresshalle als Wahrzeichen der amerikanischen Schutzmacht. Die hatte das Geld gegeben, um den Durchhaltewillen der Berliner zu stärken.

Die Führung mit Bernd S. Meyer beginnt am Sonnabend, 20. September, um 11 Uhr. Treffpunkt ist an der Halleschen-Tor-Brücke. Verkehrsverbindung U 1, U 6, bis Hallesches Tor, Bus-Linien 248 oder M 41.

Die Teilnahme ist für unsere Leser kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 19. September, von 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.


Bernd S. Meyer / bsm
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