Treber, Stricher, Diebe – Die Kriminalisierung des Sozialen im NS

Wann? 05.11.2016 17:00 Uhr

Wo? Alte Zollgarage im Flughafen Tempelhof, Columbiadamm 10, 10965 Berlin DE
Berlin: Alte Zollgarage im Flughafen Tempelhof | In der ersten Jahreshälfte 1934 wurde durch Heinrich Himmler aus dem SS-Gefängnis Columbiahaus das KZ Columbia. Bis November 1934 war das KZ Columbia vor allem ein Ort des frühen Terrors, eine Haft- und Folterstelle für politische Gegner überwiegend aus der organisierten Arbeiterbewegung und ihrem Umfeld. Ab diesem Monat begannen sich die Haftgründe zu verändern. Nun wurden zusätzlich auch Pfadfinder, Stricher, Diebe inhaftiert, katholische Priester und andere Menschen, die vorher gar nicht im Fokus der SS und der Geheimen Staatspolizei waren. Viele von ihnen wurden noch ein Jahr zuvor in die Arbeitshäuser verwiesen. Es waren minderjährige Jungen, die, aus der Fürsorge entflohen, der Prostitution oder des Diebstahls verdächtigt waren. Sie waren mit dem Vorwurf der „homosexuellen Betätigung“ konfrontiert. Welche Rolle spielte das Konzentrationslager im Netz von Fürsorge und Arbeitshäusern dabei, diese als „asozial“ und „arbeitsscheu“, als „Gewohnheitsverbrecher“ Stigmatisierten zu verfolgen? Warum interessierten sich die Gesundheitsämter und ab 1935 Ärzte der SS für diese Jugendlichen? Welche Rolle spielte die Rassehygiene und die kriminalbiologische Forschung in Jena und Berlin für „Kriminelle“, „uneheliche“ und „homosexuelle“ Jugendliche?

Diesen Fragen gehen die Historikerin Beate Winzer und der Historiker Oliver Gaida am Sonnabend, den 5. November nach.
Moderation: Thomas Irmer

Beate Winzer:
Historikerin, Politologin, Doktorandin an der FU Berlin
Forschungsthemen: u.a. Medizin- und Wissenschaftsgeschichte mit Schwerpunkt NS
Vorsitzende des Fördervereins zum Gedenken an Nazi-Verbrechen um und auf dem Tempelhofer Flugfeld e.V.

Oliver Gaida:
Historiker, Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin
Forschungsthemen: u.a. Geschichte der Fürsorge und des Wohlfahrtsstaats sowie der NS-Verfolgung sog. „Asozialer“

Thomas Irmer:
Historiker und Kurator, Diplom-Politologe
Arbeits- und Forschungsthemen: u.a. Wirtschafts- und Sozialgeschichte – insbesondere die Geschichte der NS-Zwangsarbeit, totaler Institutionen und der Elektroindustrie
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