Ein Held für immer: Im Meistersaal nahmen Fans Abschied von David Bowie

Ein letztes Foto vom Idol. (Foto: Thomas Frey)
 
Der David-Bowie-Gedenkaltar im Meistersaal. (Foto: Thomas Frey)

Kreuzberg. Auf der Bühne brennen Kerzen. Neben ihnen legen Menschen immer wieder Blumen, vorwiegend Rosen in allen Farben, ab. Darüber befindet sich ein Bild des Verstorbenen und auf die Wand dahinter werden Fotos von ihm in Endlosschleife gezeigt.

So war die Szenerie am 15. Januar im Meistersaal der Hansa-Studios in der Köthener Straße 38. Dort fand an diesem Tag eine Art inoffizielle Berliner Trauerfeier für David Bowie statt. Die Pop-Ikone war am 10. Januar, zwei Tage nach seinen 69. Geburtstag, gestorben. Ab 12 Uhr hatte das Studio alle Fans zum Gedenken und Abschiednehmen eingeladen.

Warum das hier passierte, musste keinem, der gekommen war, erklärt werden. Im Meistersaal hatte David Bowie während seiner Berliner Jahre zwischen 1976 und 1978 drei seiner Platten eingespielt. Die Hansa-Studios gehörten deshalb zu den wichtigsten Orten im damaligen Berliner Bowie-Kosmos.

Begeistert war er nicht nur von der tollen Akustik des Meistersaals und der Professionalität bei den Aufnahmen. Auch der Ort selbst hat ihn inspiriert. Das Gebäude war als eines der wenigen in dieser Gegend nach dem Krieg und der Teilung Berlins stehen geblieben. Wenige Meter entfernt verlief die Mauer. Vor allem beim Album "Heroes" von 1977 wird diese Auseinandersetzung deutlich. "The big hall by the wall" hat David Bowie den Meistersaal genannt.

Weil solche Geschichten seit seinem Tod immer wieder hervorgekramt werden, ist Eduard Meyer derzeit ein gefragter Gesprächspartner. Der 69-Jährige ehemalige Toningenieur kam an diesem Nachmittag ebenfalls in den Meistersaal und muss zum x-ten Mal über seine Zeit mit Bowie vor 40 Jahren an der Köthener Straße berichten. "Zuerst hatten wir nur beruflichen Kontakt", erzählt er. "Das änderte sich, als er und Iggy Pop mich eines Abends zu Hause besuchten." Die Arbeit sei sehr konzentriert abgelaufen und immer wieder wurden neue Ideen ausprobiert. Bei aller Mitsprache habe Bowie aber deutlich gemacht, dass er der Boss ist.

Bis 2014 hatte Eduard Meyer mit ihm noch regelmäßigen E-Mail-Kontakt. "Wenn ich ihm eine Nachricht geschickt habe, kam meist kurz darauf die Rückmeldung." Aber von einem Tag auf den anderen blieben die Antworten aus. Er habe das bisher nicht verstanden und überlegt, ob er vielleicht irgendetwas falsch gemacht habe, sagt der Toningenieur. Erst jetzt fand er dafür eine Erklärung. "David Bowie hat zu der Zeit aufgehört zu schreiben, als bei ihm die Krebserkrankung festgestellt wurde."

So nah wie Meyer sind ihm die vielen Menschen im Meistersaal normalerweise nicht gekommen. Sie gehören überwiegend zur Generation 35plus, haben seine Platten im Schrank, seine Konzerte besucht und früher hing sicher auch sein Poster an der Wand. Aber auch einige Jüngere sind darunter.

Im Raum ist neben Bowiemusik vor allem das Klicken von Handys und Fotoapparaten zu hören, mit denen viele Besucher die Szenerie im Bild festhalten. Einige sitzen auf den Stühlen entlang der Längsseiten und haben die Augen geschlossen. Vor den beiden Kondolenzbüchen bilden sich lange Schlangen. Unter dem Bowie-Bild auf der Bühne befindet sich eine Trauerschleife, die als Aufschrift eine seiner bekanntesten Liedzeilen trägt: "We can be Heroes forever and ever" (Wir können Helden für immer sein).

Schon eine Woche zuvor hatte es im Meistersaal ein Zusammentreffen wegen David Bowie gegeben. Da war sein Geburtstag und das Erscheinen seiner neuen CD gefeiert worden. Wobei auch diese Veranstaltung von einem Todesfall überschattet wurde. Denn am 6. Januar war Sven Meisel, Chef der Hansa-Studios, mit nur 49 Jahren gestorben.

Für Eduard Meyer hatte Bowies letztes Album schon beim ersten Anhören etwas von einem Vermächtnis. "Ich habe zunächst nur die ersten drei Titel geschafft."

Weil seine Ausführungen aber nicht ganz getragen enden sollen, wird er noch nach einer Anekdote über den Musiker gefragt. "David Bowie konnte eigentlich nicht böse sein", erinnert er sich. "Außer vielleicht, wenn ihm Iggy Pop wieder mal den Kühlschrank leergefressen hatte." tf
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