Mehr als nur ein Schnaps: Ein Kölner will für die Renaissance der Marke Mampe sorgen

Zwei Mal Halb & Halb. Tom Inden-Lohmar in "Mampes neuer Heimat" Am Tempelhofer Berg. (Foto: Thomas Frey)
 
Im Büro des Chefs ist aufgelistet, was er mit Mampe alles vorhat. Foto: Frey (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Mampes neue Heimat |

Kreuzberg. Worum es im Büro von Tom Inden-Lohmar geht, wird schnell deutlich. Dort stapeln sich Reklameutensilien vom Aschenbecher bis zum Fußballtrikot. Aber vor allem volle und leere Schnapsflaschen in unterschiedlichen Größen.

Sie alle drehen sich um die Marke Mampe. Das Unternehmen stand über Generationen hinweg als Synonym für Spirituosen made in Berlin. Etwa mit dem "Mampe Halb & Halb", einer Mixtour aus 130 Kräutern und Bitterorangen, dessen Name auch Teil des Umgangswortschatzes wurde.

Diese Epoche liegt inzwischen einige Zeit zurück. 1984 musste die Firma Insolvenz anmelden. Zwar fand sich der Hochprozentige auch danach noch in manchen Ladenregalen, führte aber unter wechselnden Eigentümern rund 30 Jahre eher ein Schattendasein.

Vor vier Jahren sicherte sich Tom Inden-Lohmar zusammen mit seinem Geschäftspartner Frank Zächel die Rechte und arbeitet seither an einer Mampe-Renaissance. Dabei kommt der Mann aus Köln und hatte bis zu seinem Einstieg in das Berliner Destillationsgewerbe wenig Berührung mit der Stadt. Umso größer ist jetzt sein Ehrgeiz, die Traditionsmarke wieder als Vorzeigeprodukt zu positionieren.

Helfen soll dabei auch eine Crowdfounding-Kampagne, die am 17. Oktober startete und bis Ende November 39 000 Euro einspielen soll. Mit dem Geld will Inden-Lohmar Mampe auch ganz sichtbar eine neue Heimat schaffen. Und zwar auf dem Gelände einer ehemaligen Weißbierbrauerei Am Tempelhofer Berg 6. Dort soll in der früheren Sudhalle künftig nicht nur produziert werden, sondern auch Führungen, Verköstigungen und Veranstaltungen sollen stattfinden. Dazu gibt es Informationen und Requisiten rund um die Mampe-Geschichte.

Wer sich beim Crowdfounding beteiligt, Mindesteinsatz sind 39 Euro, bekommt einen Baustein in "Mampes neue Heimat", außerdem Vorteile beim Einkauf. Und die Gönner können auch über das künftige Getränkeangebot mitbestimmen. Sollten am Ende mehr als 39 000 Euro zusammenkommen, werde die darüber liegende Summe gespendet, sagt der Chef. Den avisierten Betrag benötige er aber, um Am Tempelhofer Berg richtig durchstarten zu können. Zwar habe sich der Verkauf bereits seit 2013 ganz gut entwickelt – rund 60 000 Flaschen werden es wohl in diesem Jahr sein. Aber die Gewinnmargen seien bisher eher mager. Dazu kommt, dass er seine aktuelle Produktionsstätte in Brandenburg zum Jahresende verlassen muss. Und gemessen an dem, was Inden-Lohmar noch vorhat, bedeutet seine bisherige Mampe-Vergangenheit ohnehin nur ein Vorspiel.

Als angesagtes regionales Erzeugnis will der 54-Jährige sein Sortiment erneut positionieren. Deren handgemachte Herstellung liege ebenfalls voll im Trend. Für solche Gütesiegel würden affine Kunden auch tiefer in die Tasche greifen, wenn sie im Gegenzug entsprechende Qualität bekämen. Eine Flasche Halb & Halb oder andere Angebote aus dem bisherigen Sortiment sollen weiter rund zwölf Euro kosten. Neue Kreationen will er etwas teurer anbieten. Ein angemessener Preis für eine hochwertige Destillation, die darüber hinaus eine interessante und wechselvolle Erzählung transportiere, findet der Mann, der Mampe wieder zu einer besonderen Marke machen will. Und damit will er möglichst schnell beginnen.

Aufhänger dafür ist der in den vergangenen Jahrzehnten zwar einigermaßen verschüttete, aber nicht völlig in Vergessenheit geratene Name. "Nennt man ihn, kommen noch immer bei vielen Menschen Erinnerungen hoch", hat Inden-Lohmar festgestellt. "Und die sind, im Gegensatz zu vielen anderen Spirituosen eigentlich durchgehend positiv". Mit Mampe verbinde sich nicht der Totalabsturz mit Brummschädel am folgenden Morgen, sondern mehr das gepflegte Gläschen nach gutem Essen oder bei gemütlichem Beisammensein.

Solche Kenner, die sich inzwischen wahrscheinlich meist im Rentenalter befinden, hat er außer als Kunden auch als eine wichtige Multiplikatoren ausgemacht. Etwa nach dem Motto: Opa ordert eine Flasche und lässt daran seine Kinder oder Enkel teilhaben, denen das Produkt nur noch vom Hörensagen ein Begriff ist.

Nicht nur solche Strategien weisen auf den Werbefachmann hin, der Tom Inden-Lohmar in seinem früheren Leben war. In dieser Funktion kam er vor Jahren auch in Kontakt mit Mampe.

Dass er sich als Kölner einer Ur-Berliner Marke widme, werde bei manchen Einheimischen wahrscheinlich Stirnrunzeln hervorrufen, "ist aber nicht zu ändern". tf

Die Crowdfounding-Kampagne kann über: www.startnext.com aufgerufen werden. Mehr Material zu Mampe findet sich unter: www.mampe.berlin.
Mampe und seine Geschichte 1831 braute der Sanitätsrat Carl Mampe in Stargard (Pommern) einen Magenbitter als Mittel gegen die damals grassierende Cholera. Seine "Bitteren Tropfen" wurden zunächst in Apotheken verkauft.

Für den Aufstieg in der Hauptstadt sorgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Robert Exner. Er war Teilhaber von Carl Mampe Junior und heiratete nach dessen Tod seine Witwe. Mampe expandierte in den folgenden Jahrzehnten. 1929 wurden 78 Likör- und Weinbrandsorten produziert, außerdem gab es Gaststätten unter dem Namen "Mampes Gute Stube". In dem wahrscheinlich berühmtesten Ableger am Kurfürstendamm 14 schrieb Joseph Roth große Teile seines Romans "Radetzkymarsch". Auch darüber hinaus hat Mampe Spuren hinterlassen. David Bowie hatte im Film "Schöner Gigolo, armer Gigolo" einen Auftritt als Mampe-Flasche. In der Bundesligasaison 1978/79 war die Firma Trikotsponsor von Hertha BSC. Makabre Anklänge verbinden sich ebenfalls mit dem Namen. Während der Nazizeit nannten sich Menschen mit einem jüdischen und einem nichtjüdischen Elternteil häufig anlehnend an das bekannteste Produkt der Firma "Mampe Halb & Halb". Nach dem Mauerbau 1961 wurde der "Halb & Halb" auch als Analogie für die geteilte Stadt verwendet.

Trotz solcher volkstümlicher Verankerung bekam das Unternehmen zu Beginn der 1980er- Jahre Probleme. Sie waren ebenso hausgemacht wie das Ergebnis einer größeren Konkurrenz. tf
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1 Kommentar
Ralf Drescher aus Köpenick | 25.10.2016 | 22:37  
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