Bürgerbeteiligung für die Bergmannstraße hat begonnen

Friedliche Koexistenz zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern. Das ist ein Ziel der geplanten Begegnungszone in der Bergmannstraße. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Die Bergmannstraße soll zwischen Zossener Straße und Mehringdamm zu einer sogenannten Begegnungszone werden. Wie das aussehen kann, darüber soll die Bevölkerung aktiv mitentscheiden.

Zum Einstieg gab es am 27. November eine Bürgerversammlung in der Aula des Leibniz-Gymnasiums. Dort wurde auch der grobe Zeitplan für das weitere Verfahren vorgestellt. Bis zum Jahresende sollen die Termine für die folgenden Planungsworkshops feststehen. Die ersten wird es voraussichtlich im Februar geben. Zur Mitarbeit sind neben Bürgern auch Initiativen, Vereine oder Schulen aufgefordert. Auch eine Onlinebeteiligung soll es geben. Die Ergebnisse sollen dann wieder in großer Runde vorgestellt werden. Über das Projekt entscheiden muss am Ende die BVV. "Wir machen hier bewusst keine Vorgaben", sagte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD).

Das teilweise sehr unkoordinierte Nebeneinander von Autos, Radfahrern und Fußgängern ist dort das Hauptproblem. Ändern könnte das möglicherweise eine andere Anordnung des öffentlichen Straßenlandes. Zum Beispiel breitere Gehwege. Oder ein Tempolimit für Autos auf 20 Stundenkilometer. Dann wären sie in etwa gleicher Geschwindigkeit wie die Radler unterwegs, wodurch es weniger Konflikte zwischen diesen Verkehrsteilnehmern geben könnte . Die Pedaltreter sollen gleichzeitig dazu animiert werden, sich auf der Fahrbahn und nicht auf dem Bürgersteig fortzubewegen. Gerade das würden viele derzeit nicht tun, beklagten mehrere Teilnehmer in der mit rund 120 Menschen vollbesetzten Aula.

Bei der Begegnungszone gehe es aber nicht um einen Totalumbau, sondern um kleine Veränderungen mit möglichst großer und nachhaltiger Wirkung, erklärte Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne). Das könnten auch einfache Markierungen auf der Straße sein, die vor allem Autofahrer darauf hinweisen, dass sie in einem besonderen Gebiet unterwegs sind. Gerade in dieser Richtung hofft er auf viele Ideen bei den Workshops.

Schon bei der Auftaktveranstaltung gingen aber die Meinungen auseinander. Einige Redner stellten sogar das ganze Projekt infrage. Es sei schon jetzt kaum möglich zügig zu dahren, dazu herrsche viel zu viel Verkehr. Zusätzlich gebremst würden die Fahrzeuge durch das Parken in zweiter Reihe. Eine Art "wilde Begegnungszone" existiere bereits jetzt.

"Wenn Sie am Ende zu dem Ergebnis kommen, es soll sich nichts ändern, wird auch das akzeptiert", bekräftigte Staatssekretär Gaebler. Allerdings schien er an ein solches Resultat nicht wirklich zu glauben.

Zumindest einen kleinen Schritt bewegte sich Gaebler auch auf die Forderungen der Initiative "Leiser Bergmannkiez" zu. Sie besteht vor allem aus Anwohnern der Friesenstraße, die sich schon lange über den starken Durchgangsverkehr beklagen. Verlangt wird deshalb, an der Kreuzung Friesen-, Zossener- und Bergmannstraße eine Durchfahrt künftig zu verhindern und außerdem den Platz vor der Marheineke-Markthalle ebenfalls zu einem Teil der Begegnungszone zu machen.

Bisher stieß das beim Senat auf eher taube Ohren. Denn die Friesen- und die Zossener Straße haben den Status sogenannter Ergänzungsstraßen für den Verkehr in Richtung Mitte.

Jetzt signalisierte der Staatssekretär zumindest, dass über das Anliegen von "Leiser Bergmannkiez" ebenfalls gesprochen werden kann.

Drei Pilotprojekte

In Berlin sind Begegnungszonen zunächst in drei Straßen, beziehungsweise Gebieten geplant. Das erste Projekt betrifft die Maaßenstraße in Schöneberg. Es folgt jetzt die Bergmannstraße. Bis mindestens Frühjahr 2015 soll über die mögliche Veränderungen debattiert werden. Umgesetzt werden sie wahrscheinlich 2016. Dritter Vertreter in dem Pilotverfahren ist die Gegend um den Checkpoint Charlie in Kreuzberg und Mitte. Die Bürgerbeteiligung wird dort wahrscheinlich im kommenden Jahr starten.

Thomas Frey / tf
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