Denkmal für Dealer? Konzeptkünstler bringt über die Piraten Vorschlag in die BVV ein

Der Görlitzer Park gilt noch immer als Drogen-Hotspot. Soll daran jetzt auch ein Denkmal erinnern? (Foto: Thomas Frey)

Kreuzberg. Anträge in der BVV sind manchmal etwas skurril. Den Spitzenplatz in dieser Kategorie sichert sich ein aktueller Vorstoß.

Er kommt über das Open-Petition-Portal der Piraten und fordert das Einrichten eines Denkmals für den "Park-Drogendealer". Über die Plattform ermöglicht die Netzpartei Bürgern Anträge zu stellen, die sie dann meist im Bezirksparlament stellt.

Der zum Dealer stammt vom dem in Berlin lebenden amerikanischen Konzeptkünstler Scott Holmquist, der das Vorhaben auch verwirklichen will. Holmquist beschäftigt sich "mit der friedlichen Aneignung des öffentlichen Raums und den Menschen, die das schaffen", heißt es im Begleittext.

Im Zusammenhang mit seinem auf mehrere Jahre angelegten Projekt "Der letzte Held", das er 2014 mit einer Ausstellung im Friedrichshain-Kreuzberg Museum begonnen hat, soll es auch zu der Drogenhändler-Installation kommen. Dealer betrachtet der Künstler als Helden, weil sie "eine schwierige und gefährliche Arbeit unternehmen – eine Dienstleistung, die viele Menschen in Anspruch nehmen". Sie würden zu Unrecht als Böse oder Opfer bezeichnet, sondern seien "Protagonisten der ersten Linie im langen Kampf um die Bewusstseinsfreiheit". Und eine Anerkennung dieser Tätigkeit gerade durch afrikanische Dealer würde auch ein Zeichen gegen das europäische Kolonialerbe setzen.

Zum Nachdenken anregen

Sätze, bei denen einem der Gedanke kommen könnte, mit welchen Substanzen sie stimuliert wurden. Auch Piraten-Fraktionmitglied Felix Just würde nicht jeden davon unterschreiben, findet den Vorstoß aber insgesamt gut. "Er ermöglicht, die Diskussion über die Zustände im Görlitzer Park zu erweitern – weg von der reinen Kriminalitätsdebatte." Und ein Denkmal sei nicht immer gleichzusetzen mit einer Auszeichnung, sondern könne auch zum Nachdenken anregen.

Deshalb soll das Ansinnen, wenn auch wahrscheinlich etwas anders formuliert, in die BVV eingebracht werden. Allerdings nicht mehr zum letzten Termin vor der Wahl am 20. Juli, sondern erst in der neuen Legislaturperiode. Einen Wiedereinzug der Piraten vorausgesetzt. tf
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Marianne Ungeduld aus Kreuzberg | 19.07.2016 | 11:07  
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