Gerangel um Gedenken an Günter König

Die Erinnerung an Günter König ist in die Mühlen der Genderdebatte geraten. (Foto: Thomas Frey)

Kreuzberg. Nach dem 2015 verstorbenen ehemaligen Kreuzberger Bürgermeister Günter König (SPD) soll ein Sportplatz benannt werden.

Diesen Wunsch äußerten rund zwei Dutzend Sportvereine und die SPD machte daraus einen Antrag für die BVV. Dort erlebt dieses Anliegen ein ähnliches Schicksal, wie schon manche Umbenennung. Im Sportausschuss wurde es von den Grünen mit Hilfe der CDU erst einmal abgelehnt. Wie bei Straßen und Plätzen gelte auch bei Sportstätten ein Frauenpostulat. Davon sei zuletzt schon zweimal abgewichen worden, beim Willy-Kressmann-Stadion in der Katzbachstraße und bei der Willi-Boos-Anlage an der Baerwaldstraße. Für Günter König sollte es deshalb eine Gedenkplakette an seinem letzten Wohnhaus geben. Das wurde in einem Änderungsantrag verabschiedet.

Es war dann der Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Queer, der diesen Vorstoß knapp eine Woche später zunächst zurücknahm. Hier fand die Änderung keine Mehrheit – aber der ursprüngliche Antrag. Die CDU war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anwesend und ein Grüner hatte sich enthalten. Doch zuvor waren auch hier die Meinungen aufeinandergeprallt. Die Grüne Jutta Schmidt-Stanojevic fand, es gebe auch andere Orte, die für eine Erinnerung an Günter König infrage kämen. Aber mit der SPD lasse sich darüber kein Einvernehmen finden.

Deren Vertreter Frank Vollmert verwies darauf, dass seine Fraktion nur den Wunsch der Sportvereine aufgenommen habe. "Gerade die Grünen tragen doch sonst immer den Bürgerwillen vor sich her." Und sie hätten in den vergangenen Jahren genug Chancen gehabt, eine Sportanlage nach einer Frau zu benennen. Oliver Nöll (Linke) fand die ganze Diskussion "pietätlos und traurig". Er stehe hinter dem Frauenbeschluss. "Aber wenn es um die Ehrung einer Persönlichkeit geht, kommt man mit Prinzipienreiterei nicht weiter."

Auch Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) machte deutlich, dass sie "klar eine andere Priorität" habe, als ihre Parteifreunde. Als eine Art Konsensvorschlag regte sie an, ob statt eines Sportplatzes vielleicht das Spreewaldbad nach König benannt werden könnte. Gerade dieser Bau sei ja eng mit seinem Namen verbunden. Sie werde darüber mit den Berliner Bäder Betrieben sprechen. Damit würde das Thema aus der Friedrichshain-Kreuzberger Debatte herausgenommen und Günter König trotzdem gewürdigt. Und die Erinnerungsplakette solle er darüber hinaus bekommen.

Es gehe darum, dass keiner sein Gesicht verliere, meinte Herrmann. Und sie vergaß nicht, auf die Außenwirkung des Hickhacks hinzuweisen. Das Gedenken an Günter König wird nun wohl am 3. Mai im Kulturausschuss beraten, der hier federführend ist. Mal sehen, wie es dort weitergeht. tf
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