Gerangel um Nachnutzung: Was mit der Bona-Peiser-Bibliothek wird, ist weiter unklar

Nur das Schild erinnert noch daran, dass sich hier einmal die Bona-Peiser-Bibliothek befand. (Foto: Thomas Frey)
 
Die Räume weitgehend leer, die Fenster beschmiert und davor eine Baustelle. An der ehemaligen Bona-Peiser-Bibliothek sieht es derzeit nicht gerade einladend aus. Foto: Frey (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Bona-Peiser-Bibliothek |

Kreuzberg. Seit Anfang des Jahres ist der Standort der Bona-Peiser-Bibliothek in der Oranienstraße endgültig Vergangenheit. Was dort künftig passieren soll, darüber wurde zuletzt heftig gestritten.

In der letzten BVV vor der Sommerpause gerieten deshalb die Stadträte Jana Borkamp (Bündnis 90/Grüne) und Knut Mildner-Spindler (Linke) auf offener Bühne aneinander.

Der Grund: Der Finanz-, Kultur- und Immobilienstadträtin schwebte vor, neben den bestehenden Sprachkursen der Volkshochschule in den Räumen eine mobile Beratung des Jobcenters einzurichten sowie Angebote für Anwohner und Geflüchtete zu machen. Letztere sollten unter Federführung des Mehrgenerationenhauses in der Wassertorstraße stattfinden. "Leider musste ich feststellen, dass der zuständige Stadtrat nicht willens war, dieses Projekt mitzutragen", erklärte Borkamp und meinte damit Mildner-Spindler. Und das, obwohl mit dem Quartiersmanagement die Finanzierung einer halben Stelle für dieses Konstrukt vereinbart wurde. Deshalb sei die ganze Idee jetzt "wahrscheinlich gestorben".

"Macht keinen Sinn"

Der angegriffene Sozialstadtrat ging daraufhin ebenfalls in den Clinch. Er bezweifelte vor allem den Sinn eines weiteren Nachbarschaftszentrums "nur sieben Minuten Fußweg" von dem in der Wassertorstraße entfernt. Und nicht nur dort, sondern auch in anderen Einrichtungen in der Nähe werde schon jetzt sehr gute Arbeit für Flüchtlinge geleistet. Was ihn außerdem störte, war, dass nach den Plänen seiner Kollegin der Standort in das Fachvermögen der Sozialverwaltung übertragen werden sollte. Diesen Klotz wollte sich Mildner-Spindler nicht ans Bein binden. Auch möglicher Unterstützung zum Trotz. Denn die sei nicht langfristig angelegt. "Mein Vorschlag, dass wir gemeinsam nach einer Lösung suchen, ist im Bezirksamt gescheitert", gab er seine Sichtweise wieder.

Für die BVV war das aber noch nicht das letzte Wort. Ein angenommener Dringlichkeitsantrag der Linken fordert das Bezirksamt auf, bis zur Sitzung am 14. September eine Vorlage zur Zukunft des Standorts vorzulegen. Sie soll auch die Zuordnung der Räume zu einem Fachvermögen beinhalten.

Das Aus für die Bücherei war 2014 beschlossen worden. Grund dafür waren die damals noch verordneten Personaleinsparungen des Senats. Aber auch nach der inzwischen erfolgten Kehrtwende, also dem Schaffen neuer Stellen in der Verwaltung, würde der Bibliotheksbereich davon nicht profitieren, stellte Jana Borkamp noch einmal klar.

Platz für den Büchertisch?

Gegen das Aus hatte sich damals Protest im Kiez formiert. Er konnte zwar an der Entscheidung nichts ändern, sorgte aber mit dafür, dass der Bezirk die Räume nicht abgab, sondern aufgefordert wurde, zusammen mit anderen Akteuren für eine weitere Nutzung zu sorgen.

Eine Idee, wer dort vielleicht einziehen könnte, brachte bei der BVV-Debatte die Linke-Bezirksverordnete Regine Sommer-Wetter ins Spiel: Ob das nicht vielleicht ein neuer Platz für den Berliner Büchertisch wäre? Wie berichtet, wurde dem Büchertisch an seinem Standort am Mehringdamm zum 31. Januar 2017 gekündigt. Er sucht deshalb eine neue Bleibe.

Das könne gerne unterstützt werden, meinte Jana Borkamp. Aber letztendlich müsse diese Frage zwischen dem Büchertisch und der Wohnungsbaugesellschaft WBM als Vermieter geklärt werden. Käme es zu einer Einigung, sei der Bezirk in der Oranienstraße aus dem Spiel. tf
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