Grüne wollen Gemälde an Hauswänden erhalten

Kreuzberg. Die Kreuzberger Haubesetzerszene vor allem der 1980er Jahre hat bis heute im Bezirk ihre Spuren hinterlassen.

Konkret beispielsweise in Form zahlreicher Wandgemälde, die die Aktivisten damals an den Fassaden angebracht haben. Für deren Erhalt kämpfen jetzt die Grünen im Bezirk, denn sie sehen diese spezielle Erinnerung in Gefahr.

Konkreter Aufhänger ist dabei die Malerei an einem Gebäude an der Waldemar-/Ecke Adalbertstraße. Dort soll über die Besetzer-Erinnerung jetzt ein großflächiges Werbebanner für einen Sportartikelhersteller angebracht werden. Kommerzielle Reklame anstelle von politisch motivierter Kunst, das gelte es zu verhindern, findet die Bündnispartei und will jetzt einen entsprechenden Antrag in die BVV am 4. Juni einbringen.

Wobei auch den Antragstellern noch nicht ganz klar ist, auf welche Weise das passieren soll. Zu prüfen sei beispielsweise, ob die Wandgemälde unter Denkmalschutz gestellt werden könnten, erklärt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Paula Riester. Wobei dann zunächst geklärt werden müsste, ob dafür die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks, oder die obere Denkmalschutzbehörde des Senats zuständig wäre. "Eventuell würde hier auch das Urheberrecht greifen", meint Paula Riester. Dafür müssten aber erst einmal die einstigen Künstler ausfindig gemacht werden. Am leichtesten zu sichern sind die Gemälde, wenn es zu entsprechenden Abmachungen mit den Hausbesitzern kommt. Wobei fraglich ist, ob dazu alle Eigentümer bereit sind. "Wir wissen aber von einem Fall, wo es eine solche Vereinbarung gegeben hat, die auch ins Grundbuch eingetragen wurde", sagt die Fraktionsvorsitzende.

Unklar ist auch noch, wie viele dieser Fassadenbilder es überhaupt noch gibt. Beim Gang durch die Straßen fallen einem allerdings immer wieder mehr oder weniger gekonnte Kunstwerke an den Hauswänden auf, etwa im Wrangelkiez. Wobei wiederum nicht immer klar ist, ob sie wirklich der Hausbesetzerära zugerechnet werden können.

Die Grünen werten diese Zeit als wichtige historische Epoche, gerade für Kreuzberg. Die Bilder seien ein Dokument einer außergewöhnlichen politischen Zeit, nämlich den Jahren der Teilung und der besonderen Situation Berlins, findet Bürgermeisterin Monika Herrmann (B 90/Grüne). Sie würden deshalb Geschichte auch für Besucher und nachfolgende Generationen lebendig halten "Außerdem sind viele der Gemälde wahre Kunstwerke und schon deshalb erhaltenswert."


Thomas Frey / tf
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