Agentur startet das Projekt "Kunst braucht Fläche"

Endlich eine Fläche: Nadja Schütt zeigt in der Oranienstraße 40 den abgestürzten Ikarus. Ab Sonnabend wird dieses Motiv an der Hauswand prangen. (Foto: Schubert)

Kreuzberg. Aufmerksamkeit erzielen, das fällt Nachwuchskünstler nicht leicht, ist aber entscheidend für Erfolg oder Scheitern. Jetzt macht die Werbeagentur "AV Tour" einen Teil ihrer Plakatflächen frei und klebt die Werke von 23 Kreativen an die Straßen.

Viele kleisternde Hände, möglichst markant bedrucktes Papier, angebracht an viel beachteten Stellen - das ist es, was Werbung im Straßenbild ausmacht. Jetzt, so entschied die Agentur "AV Tour" wirbt die Kunst.Vom 27. Juli bis zum 11. August stellt die Firma neun Standorte im Zentrum der Stadt bereit, an denen Künstler sich die Bekanntheit verschaffen können, die ihnen zum Durchbruch fehlt.

Unter den Kandidaten: Nadja Schütt, 32 Jahre alt, geboren in Gera, kreativ tätig in einem Gemeinschaftsatelier in Berlin-Mitte. Sie weiß die Chance zu schätzen, kennt sie doch das Auf und Ab zwischen Stipendien, Verkaufserfolgen und Zeiten der Flaute. "Die Situation für Künstler in Berlin ist schwierig. Man braucht die richtigen Kontakte, muss sich mit anderen zusammenschließen und Ausstellungen organisieren", erklärt Schütt. Ihr Werk wird man am alten Kaufhaus in der Oranienstraße 40 erblicken können, wo es direkt an der Fassade klebt. Zweiter Standort der Aktion im Bezirk ist der Stralauer Platz in Friedrichshain. Dort erhalten andere Teilnehmer ihren Platz.

"Wenn bisher Streetart ihren Weg in Galerien fand, soll beim Projekt ,Kunst braucht Fläche’ der umgekehrte Prozess stattfinden: Galeriekunst erzielt im Straßenraum eine neue Wirkung", erklärt Kunstwissenschaftlerin Katja Sergeeva. Sie war es, die im Namen der Agentur 120 Bewerbungen prüfte und entschied, was wo kleben darf. Erst in der vergangenen Woche bekam Nadja Schütt ihren Standort genannt.

Am Kreuzberger Kaufhaus prangt ab Sonnabend ihre Interpretation des Ikarus kurz nach seinem Absturz. Gefieder und Kopf sind mit Collagetechniken verfremdet. Und das Gemälde als Ganzes geht eine Verbindung zur Umgebung ein. "Ikarus ist für mich das Symbol eines Freidenkers, der abgestürzt ist, aber trotzdem verbleibt", sagt Schütt. Es gehe ihm um den Versuch, sich Freiräume zu verschaffen - ein Anliegen, was für die Kreuzberger Lebensart typisch ist.


Thomas Schubert / tsc
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