Ausstellung zu den Mendelssohns in der Friedhofkapelle

Die Gräber von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Das imposanteste ist der Stammbaum. Er erstreckt sich über eine gesamte, zehn Meter lange und vier Meter hohe Wand. Mehr als 1500 Personen aus sieben Generationen sind darauf verzeichnet. Ausgehend vom Stammvater Moses Mendelssohn (1729-1786) und seiner Frau Fromet, geborene Guggenheim (1737-1812).

Aber es geht nicht nur in dieser Ahnentafel um die Familie Mendelssohn. Weitere rund 300 Exponate wie Fotografien und Dokumente zu dieser ungewöhnlichen Dynastie sind seit 4. November in einer Dauerausstellung in einer ehemaligen Kapelle auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof 1 vor dem Halleschen Tor am Mehringdamm 21 zu sehen. Der Ort ist bewusst gewählt. Denn auf dem Friedhof befinden sich die Gräber von 28 Mendelssohns und ihrer Partner. Einige Grabstellen sind im Zuge des Ausstellungsprojekts restauriert worden. Die Idee zu dieser besonderen Erinnerung kam vor etwa zwei Jahren von Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD). "Der wollte bei einem Besuch des Friedhofs wissen, was in der alten Kapelle passiert", erzählt Pfarrer Jürgen Quandt , Geschäftsführer des evangelischen Friedhofverbands Berlin-Stadtmitte. "Wir haben ihm gesagt, dass sie derzeit als Lagerschuppen genutzt wird." Schmitz konterte mit dem Vorschlag, hier eine Mendelssohn-Ausstellung einzurichten.

Mit dem Rückenwind durch den Staatssekretärs ließen sich auch die entsprechenden Mittel in einer Gesamthöhe von 900 000 Euro auftreiben. Der Hauptanteil kam mit 750 000 Euro von der Lotto-Stiftung. Der Friedhofverband beteiligte sich mit 140 000, das Landesdenkmalamt mit 10 000 Euro.

Die Mendelssohns gehören zu den bekanntesten deutschen Familien. Sie haben Unternehmer und Wissenschaftler, Bankiers und Künstler hervorgebracht. Der berühmteste von ihnen ist wahrscheinlich der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Er wurde ebenso auf den Friedhöfen am Halleschen Tor bestattet wie seine Schwester Fanny Hensel (1805-1847), auch sie eine Komponistin, die erst in jüngster Zeit wiederentdeckt wurde. Paul Mendelssohn Bartholdy (1841-1880), der jüngere Sohn von Felix, war als Chemiker einer der Begründer der Firma Agfa. Albrecht Mendelssohn Bartholdy (1874-1936), Enkel des Komponisten ein bekannter Völkerrechtler und Friedensforscher. Die Nazis vertrieben ihn von seinem Hamburger Lehrstuhl.

Der erste Mendelssohn, der am Mehringdamm bestattet wurde war Abraham (1756-1835), ebenso seine Frau Lea (1777-1842), geborene Salomon, die Eltern von Felix und Fanny. Abraham, der mittlere Sohn von Moses und Fromet, trat 1822 vom Judentum zum protestantischen Glauben über. "Deshalb fanden er und viele seiner Nachkommen auf dem evangelischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte", erklärt Dr. Thomas Lackmann von der Mendelssohn-Gesellschaft und Kurator der Ausstellung.

Aber auch Moses Mendelssohn hat einen Bezug zu dieser Gegend. Als er 1743 als 14-Jähriger von Dessau nach Berlin kam, betrat er die Stadt aller Voraussicht nach am Halleschen Tor. Außerdem wird der Platz vor der neuen Akademie des Jüdischen Museums an der Lindenstraße künftig seinen und den Namen von Fromet tragen.

Die Ausstellung in der Kapelle ist täglich ab 8 Uhr geöffnet. Sie schließt im November um 17, im Dezember und Januar um 16 Uhr.

Thomas Frey / tf
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