Bezirk will Bücherei in der Oranienstraße schließen

Kreuzberg. Stellenabbau und ein Loch im Haushalt. Beides zusammen führt zu Einsparungen bei öffentlichen Dienstleistungen. Zum Beispiel bei den Bibliotheken.

Wie die Berliner Woche erfuhr, soll im kommenden Jahr deshalb die Bücherei in der Oranienstraße 72 geschlossen werden. "Wir müssen im Bereich Bibliotheken fünf Arbeitsplätze einsparen. Genau so viele Mitarbeiter gibt es dort", rechnet Finanz- und Kulturstadträtin Jana Borkamp (B 90/Grüne) vor. Mit dem reduzierten Personal seien alle bisherigen Standorte nicht mehr zu halten. Auch die Idee, in der Oranienstraße eine Ausbildungsbibliothek einzurichten, also dort nur Lehrkräfte einzusetzen, habe sich inzwischen als nicht durchführbar erwiesen.

Dass es diese Adresse traf, sei das Ergebnis langer Abwägungen gewesen, sagt die Stadträtin. Am Ende habe sich diese Entscheidung als das "kleinste Übel" herausgestellt. Gegen den Standort sprach beispielsweise, dass es in seiner Nähe in der Adalbertstraße die Kreuzberger Mittelpunktbibliothek und damit eine Alternative für die Nutzer gibt. Außerdem sind die Räume angemietet. Auch hier fallen deshalb Kosten weg.

Die Bücherei in der Oranienstraße wurde 1964 eingeweiht. Seit 1994 heißt sie nach Bona Peiser (1864 -1929), erste deutsche Bibliothekarin und Mitbegründerin der ersten öffentlichen Lesehalle in Berlin. Auf rund 250 Quadratmeter gibt es dort rund 23 000 Medien. Ein Schwerpunkt ist das Kriminal-Kabinett, mit rund 3000 Büchern, Filmen, Musik und PC-Spielen rund um das Thema Krimi.

Abgesegnet werden muss dieser Beschluss noch von der Bezirksverordnetenversammlung. Er werde auch dann nicht sofort wirksam, macht Jana Borkamp deutlich. "Ich denke, dass es noch mindestens bis zum Sommer dauert, ehe das Haus geschlossen wird."

Danach wird es in Friedrichshain-Kreuzberg noch vier bezirkliche Bibliotheken geben. Neben der Zentralbücherei Pablo Neruda in der Frankfurter Allee und dem Standort in der Adalbertstraße noch die Zweigstellen in der Duden- und der Glogauer Straße.


Thomas Frey / tf
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