Bürgermeisterin verteidigt ihre Idee von einem Coffeeshop

Kreuzberg. Seit vergangenem Sommer sorgen die "Coffeeshop-Pläne" von Bürgermeisterin Monika Herrmann (B 90/Grüne) für Diskussionen. Aber wie realistisch ist dieser Vorstoß überhaupt?

Darum ging es bei einer ganztägigen Veranstaltung am 28. Mai im Friedrichshain-Kreuzberg Museum. Eingeladen waren Politiker, Wissenschaftler und Vertreter verschiedener Organisation, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Drogen beschäftigten. Erfahrungen in anderen Ländern wurden ebenso diskutiert wie ein historischer Abriss der Drogenpolitik in Kreuzberg. Und natürlich die Frage ob eine Legalisierung "weicher" Drogen überhaupt möglich wäre und was sie bringen würde.

Auf jeden Fall eine bessere Situation, als die derzeitigen Zustände, ist die Bürgermeisterin weiter überzeugt. "Heute ist es so, dass unkontrolliert Drogen auch minderer Qualität an jeden abgegeben werden", stellte sie fest. Beim Coffeeshop wäre das so nicht möglich. Wobei diese Bezeichnung bereits irreführend sei. "Es geht uns nicht um ähnliches wie in Holland, wo man locker Kaffee trinken und gleichzeitig Marihuana kaufen kann."

Vielmehr sei an einen "kontrollierten Ausgaberaum" gedacht. Der sollte auch nicht allein auf den Görlitzer Park beschränkt bleiben. Denn das würde natürlich zu einem weiteren Massenansturm an Kunden führen. Friedrichshain-Kreuzberg sieht sich deshalb vor allem als Vorreiter eines entsprechenden Modellversuchs und Initiator einer Diskussion über dieses Thema. Viele positiven Reaktionen auf ihren Vorstoß hätten sie dabei inzwischen weiter bestärkt, erklärte Herrmann.

Genehmigen müsste einen Coffeeshop, oder wie immer das Projekt heißen mag, das Bundesamt für Arznemittel und Medizinprodukte. Danach sieht es bisher nicht aus. Auch Christine Köhler-Azara, Berliner Landesdrogenbeauftragte verwies auf die bestehende Gesetzeslage. Dort gebe es aber Schlupflöcher, meinte Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband. Sie ermöglichen beispielsweise bereits jetzt die kontrollierte Abgabe von Heroin an Süchtige, die in manchen Städten praktiziert werde. Wurth ist außerdem überzeugt, dass legalisierte Verkaufsräume den illegalen Handel zumindest stark eindämmen würden. "Schnaps ist an vielen Stellen erhältlich. Deshalb gibt es auch niemanden, der Ihnen eine Flasche Klaren heimlich in einem Park anbietet."


Thomas Frey / tf
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