Der Westpark auf dem Gleisdreieck ist eröffnet

Bei der Gestaltung des Westparks konnten auch Kinder und Jugendliche ihre Wünsche äußern. So kamn es auch zu diesem Zahlenfeld. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Es kommt selten vor, dass in Berlin Bauvorhaben schneller abgeschlossen werden können, als zunächst vorgesehen. Beim neuen Westpark auf dem Gleisdreieck war das der Fall. Ursprünglich sollte die Eröffnung erst im Herbst stattfinden. Der Termin konnte aber auf den 31. Mai vorgezogen werden.

Dass das gelang, lag vor allem an der "tollen Leistung aller am Bau Beteiligten", wie Christoph Schmidt, Geschäftsführer des Bauherrs, der Grün Berlin GmbH erklärte. Die Bauarbeiter legten sich auch deshalb ins Zeug, weil es bereits in den vergangenen Wochen einen "erhöhten Nutzerdruck" gegeben hat. Viele Menschen verschafften sich da bereits Zugang zum Areal. Jetzt ist das auch ganz offiziell möglich. Und am 1. Juni waren alle zu einem großen Bürgerfest eingeladen.Die Eröffnungsreden zeugten vor allem von dem Stolz darüber, dass es in den vergangenen Jahren gelungen ist, die einstigen Bahnanlagen des Gleisdreiecks in eine große innerstädtischen Grünfläche zu verwandeln. Beginnend mit dem Ostpark zwischen Technikmuseum und Yorckbrücken, der bereits im September 2011 eingeweiht wurde und jetzt der Westpark, weitere neun Hektar vom Schöneberger Ufer bis zum Hochbahnviadukt der U2. Das zeige auch, wie ernst die Landesregierung das Thema wohnortnahe Erholungsgebiete nehme, erklärte Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeister Dr. Franz Schulz (B 90/Grüne) und Norbert Rheinländer von der Bürgerinitiative Gleisdreieck erinnerten dagegen an die Jahrzehnte langen Kämpfe bis zu dieser Einsicht. Denn einst sollte über die Brachfläche eine Autobahn führen. Erst nach der Wiedervereinigung wurden diese Pläne endgültig obsolet und das Gleisdreieck als naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche für die Bebauung des Potsdamer und des Leipziger Platzes festgelegt.

Um die Gestaltung des Parks folgten weitere jahrelange Auseinandersetzungen und auch einige Kompromisse. Etwa der, dass der Immobiliengesellschaft Vivico gestattet wurde, Grundstücke am Rand des Areals zum vor allem für den Wohnungsbau zu vermarkten. Weshalb es zum Beispiel entlang der Flottwellstraße in den kommenden Monaten zu einer regen Bautätigkeit kommen wird. "Mit unseren heutigen Erfahrungen würden wir das wahrscheinlich so nicht mehr erlauben", sagte Franz Schulz. "Wir haben durch unseren Einsatz für den Park mit dafür gesorgt, dass die Investoren ihre Wohnungen teurer vermarkten können", meinte Norbert Rheinländer. "Das war zwar nicht unser Ziel, ließ sich aber leider nicht vermeiden."

Aktiv waren viele Bürger auch, als es um die konkrete Gestaltung des Riesengrundstücks ging. Auch Kinder und Jugendliche wurden aufgefordert Vorschläge zu machen, wie die Spielplätze aussehen sollen oder welche Sportmöglichkeiten sie sich dort wünschen. Zum Beispiel Tischtennisplatten, Trampolin, eine Boulebahn, oder ein Bewegungsfeld.

Heftige Diskussionen gab es außerdem um den Verbleib der Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof. Ursprünglich sollte auf ihrem Gelände ein Sportplatz gebaut werden. Dagegen regte sich Protest. Das Sportfeld entsteht jetzt auf dem Dach des Hellweg-Baumarkts am Bahnhof Yorckstraße.

Gekostet hat der Westpark rund 8,5 Millionen Euro. Die Summe hat sich während des Baus nicht erhöht. Auch das ist in Berlin nicht alltäglich.

Die Umgestaltung des Gleisdreiecks ist damit allerdings noch nicht völlig abgeschlossen. Als nächste Etappe folgt jetzt der sogenannte Flaschenhals, das Gebiet südlich der Yorckstraße.


Thomas Frey / tf
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