Kokain auf dem Görli-Spielplatz verschärft die Lage

Auf dem Piratenspielplatz im Görlitzer Park wurden Drogen gefunden. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Die Drogenprobleme im Görlitzer Park sind kein neues Thema. Seit einigen Tagen hat es allerdings eine neue Dimension bekommen. Der Grund sind mehrere Kokainkügelchen, die Kitakindern auf dem Piratenspielplatz in die Hände gefallen sind.

Es war viel Glück dabei, dass der Fund keine weiteren Folgen für die Kleinen hatte. Aber auch so ist die Aufregung jetzt groß. Zumal deutlich wurde, dass im Görli inzwischen nicht nur mit sogenannten weichen Drogen wie Haschisch oder Marihuana gehandelt wird. Bei einer Absuche rund um den Spielplatz wurde außer Kokain auch Crystal Meth entdeckt. Lautstark werden jetzt konkrete Konsequenzen verlangt. Denn mit den Drogen auf dem Spielplatz wurde eine Grenze überschritten.

Solche Forderungen kommen beispielsweise von Antje Kapek. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus ist Anwohnerin und besuchte mit ihren Kindern regelmäßig die Piratenanlage. Bereiche, in denen sich Kinder aufhalten müssen von Drogen absolut frei sein, verlangt sie. Erreicht werden sollte das unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Spürhunden und durch ein überbezirkliches Konzept.

Ähnlich klingt das auch bei ihrer Parteifreundin Bürgermeisterin Monika Herrmann. Sie plädiert jetzt für ständige Streifen, auch des Ordnungsamtes. Und alle Verantwortlichen müssten an einen Tisch. Von der Polizei bis zu verschiedenen Initiativen.

Die Bürgermeisterin stand selbst nach den jüngsten Ereignissen in der Kritik. "Durchgeknallt" nannte sie der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner. Das bezog sich zum einen auf ihre Pläne für einen Coffeeshop, zum anderem auf Äußerungen zu angeblichen Deals mit den Dealern. Mit denen, so wurden Herrmanns Aussagen interpretiert, habe es Abmachungen gegeben, ihre Geschäfte nicht auf Spielplätzen zu tätigen. Das habe sie so nicht gesagt, widerspricht die Bürgermeisterin. "Ich habe nur darauf hingewiesen, dass Streetworker in der Vergangenheit versucht haben, die Drogenverkäufer von Plätzen fernzuhalten, an denen sich Kinder aufhalten." Etwa auch vom Kinderbauernhof im Görlitzer Park.

Im Park hat es allein im vergangenen Jahr 138 Polizeirazzien gegeben. Geändert haben sie wenig. Werden Dealer erwischt, sind sie häufig schnell wieder auf freiem Fuß. Denn im Normalfall haben sie nur eine geringe Menge Drogen bei sich. Der Großteil des Stoffs ist in Erdlöchern gebunkert und lässt sich kaum jemandem zuordnen.

Aber vielleicht sollte das Aufspüren dieser Erdlöcher künftig noch stärker im Fokus stehen. Denn je mehr die Händler ihrer Ware beraubt werden, desto weniger ist der Görli für sie als Verkaufsgebiet lukrativ.

Und es bleibt das Problem der anhaltend hohen Nachfrage an diesem Ort, nicht zuletzt von Touristen. Das Bezirksamt plant deshalb einen Flyer, der in Hotels und Gaststätten ausliegen soll und vor allem Berlinbesucher vom Drogenkauf im Görlitzer Park abhalten soll. Ob die dadurch abgeschreckt werden?

Auch in den Tagen nach dem Fund auf dem Spielplatz war die Situation im Görli wie immer. Wer die Anlage, etwa am Eingang Falckensteinstraße, betrat, wurde von einem Spalier der Drogenanbieter empfangen und von geschätzt jedem zweiten mit einem Kaufangebot konfrontiert. Ähnlich lief das auch entlang des Hauptwegs.


Thomas Frey / tf
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