Kosten für Kanal um zwei Drittel gesunken

Kreuzberg. Es passiert selten, dass ein Bauvorhaben statt ständig teurer, weitaus billiger wird. Bei der Sanierung des Landwehrkanals scheint das der Fall zu sein.

180 Millionen sollte das Ausbessern von rund 22 Kilometer maroder Uferkante ursprünglich kosten. Aktuelle Berechnungen gehen jetzt nur noch von 67 Millionen aus. Also fast zwei Drittel weniger. Beginnen sollen die Arbeiten im Jahr 2014.Verantwortlich für die massive Preissenkung sind nicht zuletzt engagierte Bürger, vor allem aus Kreuzberg. Als im Jahr 2007 ein Teil der Böschung am Tempelhofer Ufer ins Wasser sackte und die Schäden dadurch offensichtlich wurden, beschloss das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) als erste Gegenmaßnahme eine groß angelegte Baumfällaktion. Erklärt wurde das damit, dass deren Wurzeln den Boden am Ufer weiter destabilisieren und deshalb ein Sicherheitsrisiko darstellen.

38 Bäume wurden abgeholzt, 200 sollten es eigentlich sein. Bevor aber auch sie der Kahlschlag traf, formierte sich massiver Protest. Aktivisten ketteten sich an die Stämme, 26 000 Unterschriften wurden gesammelt. Der Aufruhr zeigte Wirkung. Denn das WSA verzichtete danach nicht nur auf weitere Fällungen, sondern stimmte auch einem Mediationsverfahren zur Zukunft des Landwehrkanals zu.

Seit fünf Jahren tagt diese Runde inzwischen. Zu ihr gehören neben der Wasser- und Schifffahrtsbehörde Vertreter des Senats und mehrerer Bezirke, von Reedereien, Naturschutzverbänden und der Bürger. Während des Verfahrens kamen auch die Umbaupläne noch einmal auf dem Prüfstand. Und siehe da - auf einmal ist das Vorhaben viel billiger zu haben. Das liegt vor allem daran, dass statt mit teuren Stahlspundwänden das Ufer größtenteils auch mit Steinaufschüttungen unter Wasser befestigt werden kann. Außerdem mussten die Experten inzwischen zugeben, dass das Beseitigen der Bäume sogar kontraproduktiv war. Deren Wurzeln schädigen nicht den Untergrund, sondern, im Gegenteil, festigen ihn.

Dass zu Beginn des Projekts Landwehrkanal manches falsch gelaufen ist, räumte auch WSA-Chef Michael Scholz bereits bei einer Versammlung vor einigen Wochen ein. Umso mehr lobte Scholz, der 2008, also nach den ersten Protesten ins Amt kam, den Beitrag des Mediationsverfahrens. Das soll im Frühjahr mit einer Sanierungsvereinbarung abgeschlossen werden. Aber auch danach wollen die Bürger und Initiativen den weiteren Fortgang am Landwehrkanal sehr aufmerksam begleiten.


Thomas Frey / tf
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