Künstler, die Opfer der Nazis wurden

An 30 Künstler und ihr Schicksal während der Nazizeit erinnert die Ausstellung im Willy-Brandt-Haus. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 begann auch die Gleichschaltung der Kulturszene in Deutschland.

Schauspieler, Sänger, Regisseure oder Kabarettisten, die dem System aus rassischen oder politischen Gründen nicht genehm waren, erhielten Auftrittsverbot, mussten auswandern, landeten in Haft, wurden ermordet. An das Schicksal von 30 Theater-, Film- und Musikgrößen erinnert noch bis 3. März die Ausstellung "Erzwungenes Finale - Ende der Vorstellung" im Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28.

Manche dieser Namen sind noch heute bekannt. Zum Beispiel die Schauspielerin Elisabeth Bergner, der Regisseur und Theaterleiter Max Reinhardt, der Tenor Richard Tauber, das Multitalent Ernst Busch. Andere sind weitgehend vergessen. Etwa Albert Bassermann, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Deutschlands bester Mime galt. Oder Siegried Arno, einst als Schauspieler, Tänzer, Sänger und Kabarettist erfolgreich.

Emigration 1933 ist bei vielen der 30 Biografien zu lesen. Das Exil verlief zunächst meist über mehrere, kurzfristige Stationen. London oder Paris, bis 1938 Wien, Zürich, häufig auch Hollywood. In der kalifornischen Filmmetropole landete nach einigen Zwischenstationen beispielsweise auch Peter Lorre und spielte dort unter anderem in dem Kult-Klassiker "Casablanca" mit. Lorre, der 1931 durch seine Rolle als Kindermörder im Film "M" bekannt geworden war, wollte Goebbels, trotz seiner jüdischen Herkunft, zu einer Rückkehr nach Nazideutschland bewegen. Die Absage des Schauspielers fiel kurz und knapp aus. "Für zwei Mörder wie Hitler und mich ist in Deutschland kein Platz."

Wer sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte oder wollte, auf den wartete nicht selten Gefängnis oder Konzentrationslager. So erging es auch dem Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff. Er kam bereits im Frühjahr 1933 in das KZ Börgermoor im Emsland, wo er ein Jahr inhaftiert war. Zusammen mit einem weiteren Häftling schrieb er dort das Lied von den "Moorsoldaten", einer der ersten Widerstandstexte, die im Nazireich verfasst wurden und das in den folgenden Jahren illegal weiter verbreitet wurde und über Radiostationen im Ausland gesendet wurde.

Eingesperrt wurde Wolfgang Langhoff wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD. Gleiches gilt für seinen Kollegen Hans Otto, der 1933 zunächst untertauchen konnte, im November aber verhaftet wurde. In der Haft wird er schwer misshandelt und am 24. November 1933 aus dem Fenster geworfen. Er stirbt wenig später, nur 33 Jahre alt. Hans Otto ist der erste prominente Künstler, der im Dritten Reich ermordet wird.

Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Für den Zugang ist der Ausweis erforderlich.

Thomas Frey / tf
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