Kulturausschuss tut sich schwer mit dem Aus einer Bibliothek

Kreuzberg. Das geplante Aus für die Bona-Peiser-Bibliothek an der Oranienstraße und der Einsatz der Anwohnerin Marianne Hopfer für deren Erhalt war am 4. Februar das beherrschende Thema im Kulturausschuss der BVV. Die Sitzung fand deshalb sogar in den Räumen der Bibliothek statt.

Dort gab es auch viel Sympathie für das Anliegen und den Einsatz der 71-Jährigen. Wie berichtet sammelt Marianne Hopfer derzeit Unterschriften für einen Einwohnerantrag, um die Schließung zu verhindern. Bis sie die geforderten 1000 Unterschriften zusammen hat soll es auch keine endgültige Entscheidung geben. Aber vor allem Kulturstadträtin Jana Borkamp (B 90/Grüne) machte deutlich, dass sie keine Alternative zur vorgesehenen Aufgabe der Bücherei am 1. September sieht.

Fünf Beschäftigte weniger gebe es wegen des Stellenabbaus bei den Bibliotheken im Bezirk. Genau so viele sind in der Oranienstraße beschäftigt, erinnerte Jana Borkamp. Einer von ihnen ist Roland Urban, der sich hinter die Pläne der Stadträtin stellte. Denn auch in den anderen Standorten gebe es bereits jetzt nicht genügend Personal, erklärte Urban. Etwa in der Bezirkszentralbibliothek an der Frankfurter Allee, wo er künftig arbeiten soll. "Am 3. Dezember waren dort 14 Kollegen und damit die Hälfte der Mitarbeiter krank."

Zu der Schließung sei sie auch noch aus einem anderen Grund gezwungen, sagte Jana Borkamp. "Wir haben einige hunderttausend Euro EU-Mittel für das Einrichten von Selbstbuchungsautomaten in den Büchereien bekommen." Damit soll das Personal entlastet werden, im Gegenzug wurden aber längere Öffnungszeiten verlangt. Diese Forderung durchgehend zu erfüllen sei ebenfalls schwierig. Und werde nur erreicht, wenn ein Standort aufgegeben werde.

Deshalb hält sie auch nichts von der Idee, die Bona-Peiser-Bibliothek zwar am Netz zu halten, aber nur noch an einigen Tagen zu öffnen. Auch der Vorschlag, das Haus von Ehrenamtlichen betreiben zu lassen, ist nach ihrer Meinung nicht umsetzbar. "Wir brauchen dann trotzdem Angestellte, denn einige Aufgaben dürften die freiwilligen Mitarbeiter schon aus Datenschutzgründen nicht erledigen."

Beschlossen hat die BVV, dass die Stellenkürzungen anteilsmäßig nahezu alle Abteilungen betreffen. Möglich wäre auch gewesen, bestimmte Schwerpunkte zu setzen. Also ein Bereich gibt mehr ab, dafür wird ein anderer, in diesem Fall die Bibliothek, weitgehend verschont.

Darüber will jetzt vor allem der Fraktionschef der Linken und Kulturausschussvorsitzende Lothar Jösting-Schüßler noch einmal reden. Er bezog sich dabei auf ähnliche Aussagen, die sein SPD-Kollege Andy Hehmke, unter anderem gegenüber der Berliner Woche gemacht hatte. "Wir sollten uns zusammen setzen und schauen, ob sich hier noch etwas verändern lässt." Das sei die BVV bereits dem Bürgerengagement für den Erhalt der Bibliothek schuldig.

Ob diese Bemühungen erfolgreich sind? Eher kommt es wahrscheinlich zu einem Hauen und Stechen. Denn es ist kaum anzunehmen, dass eine Abteilung bereit sein wird, auf weitere Mitarbeiter zu verzichten.


Thomas Frey / tf
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