Politiker und Anwohner diskutieren über Begegnungszonen im Bergmannkiez

Kreuzberg. Aus der Bergmannstraße soll eine sogenannte Begegnungszone werden. So nennt sich ein Pilotprojekt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, das ab 2014 an drei Stellen in Berlin umgesetzt werden soll. Außer im Bergmannkiez auch noch in der Maaßenstraße in Schöneberg und am Checkpoint Charlie.

Begegnungszone bedeutet zunächst einmal, dass sich alle, die dort mobil unterwegs sind, den verfügbaren Raum gleichberechtigt teilen. Also Fußgänger, Radfahrer, Busse und Autos. Aber natürlich geht die Stoßrichtung vor allem gegen die motorisierten Individualfahrzeuge. Sie sollen dadurch zumindest zu vorsichtigerem Fahren gezwungen werden.Denn nicht nur entlang der Bergmannstraße gelten Autos in den Augen vieler Anwohner als größter Lärmverursacher. Etwa bei den Aktivisten der Initiative leiser-bergmannkiez.de. Deren Forderungen gehen dann auch über das hinaus, was der Senat in Sachen Begegnungszone vorsieht. Dieses Vorhaben müsse auf jeden Fall um eine Sperrung der Zossener Straße im Bereich vor der Markthalle ergänzt werden. Ansonsten bleibe es weiter beim schon jetzt massiven Durchgangsverkehr, der den Abschnitt Friesen- und Zossener Straße als Ausweichroute nutzt.

Die Landesebene hat in dieser Frage aber frühestens Bewegung für die Zeit um das Jahr 2025 in Aussicht gestellt. Denn die Zossener Straße sei bisher als Ergänzungsstraße Teil des übergeordneten Berliner Straßennetzes. So lange will nicht nur Hans-Peter Hubert, einer der Sprecher von leiser-bergmannkiez.de, nicht mehr warten. "Die Situation ist unerträglich", meint der Anwohner in der Friesenstraße. "Natürlich leben wir in der Innenstadt, aber wir sind nicht der Ku’amm oder die Friedrichstraße." Auch ein neuer Asphalt oder eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung würden an diesem Problem nichts ändern. Komme die Verkehrsberuhigung in diesem Bereich nicht, bleibe auch die Begegnungszone Stückwerk.

Aussagen, die Hubert eigentlich an den zuständigen Senator Michael Müller (SPD) richten wollte. Aber der hatte seine Teilnahme an einer Bürgerversammlung am 22. August ebenso abgesagt wie sein Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). So saßen neben dem leiser-bergamnnkiez-Vertreter nur noch Baustadtrat Hans Panhoff (Bündnis 90/Grüne) und Tiefbauamtsleiter Helmut Schulz-Herrmann auf dem Podium.

Wie die Begegnungszone konkret aussehen wird, dazu werde es ab Anfang 2014 ein umfassenden Bürgerbeteiligungsverfahren geben, erklärte der Stadtrat. Bis Ende kommenden Jahres ist das Fertigstellen der Bauplanungsunterlagen vorgesehen. Umgebaut werden soll ab 2015.

Diskussionen sind schon jetzt vorprogrammiert. Und viele Vorschläge haben Nebenwirkungen. Etwa was die künftige Breite der Gehwege betrifft. Bekämen die Bürgersteige zusätzlichen Platz würde das gleichzeitig bedeuten, dass die Gastronomen ihren Außenausschank erweitern dürften. Noch mehr Flächen für die "Partymeile" finden manche Anwohner aber ebenso schrecklich wie die vielen Autos. Gleiches galt bei einigen für die Radfahrer. Die seien die rücksichtslosesten Verkehrsteilnehmer, wetterte eine Frau. Schnell wurde deshalb deutlich, dass die Begegnungszone auf alles andere als ungeteilten Beifall stößt. Und sicher auch nicht alle Probleme löst.


Thomas Frey / tf
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