Spraykünstler verzieren Sportanlage

Frauen am Ball. Ein Ausschnitt aus der Bildergalerie der Graffitikünstler auf dem Sportplatz Wiener Straße. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Verschmierte Wände sind fast flächendeckend ein Problem in Friedrichshain-Kreuzberg. Natürlich auch bei den bezirklichen Immobilien.

Zum Beispiel auf dem Sportplatz Wiener Straße. Aber ausgerechnet diese Anlage, gelegen am Rand des Görlitzer Parks, könnte künftig zur NoGo-Area für die Freunde sinnloser Sprüh-Sprüche und Tags werden.

Denn im vergangenen halben Jahr wurden dort die Gebäudefassaden von 16, meist professionellen Sprayern mit verschiedenen Großgemälden verziert. Sie zeigen Sportmotive, meist Frauen beim Ausüben verschiedener Leibesübungen.

Die Idee, mit Hilfe von Graffiti eine Art Schutzwand gegen sinnloses Schmieren zu schaffen, entstand im Sportamt. Dort sind es die Mitarbeiter leid, ständig viel Geld für das Beseitigen von Sprüh-Angriffen auszugeben. Allein 20 000 Euro habe vor einiger Zeit eine Reinigung im Willy-Kressmann-Stadion gekostet, erzählt Amtsleiter Detlev Oßenkopp. "Mit dem Ergebnis, dass es kurz darauf wieder genauso aussieht." Mehr Respekt, so die Hoffnung, hätten die verkrachten Dosenmaler vielleicht, wenn bekannte Vertreter der Graffitiszene zuvor am Werk waren.

So wie jetzt an der Wiener Straße. Auf eine Rundmail von Oßenkopp meldete sich Linda Lorenz. Die 29-Jährige gehört zur "Streetuniversity", jener besonderen Bildungsstätte in der Naunynritze, wo sich vor allem Jugendliche in kreativer Straßenkunst ausprobieren können. Linda Lorenz zeigte sich an dem Projekt interessiert. Und mit ihr einige Spray-Stars mit Namen oder Pseudonymen wie Marco, Schäck, Ches oder Argh.

Sie und noch einige weitere widmeten sich mehrere Monate unentgeltlich der Fassadenverschönerung. Lediglich für das Material im Wert von etwa 3000 Euro musste das Sportamt aufkommen.

Warum haben die Künstler mitgemacht? "Weil wir von dem Vorhaben begeistert waren", sagt Linda Lorenz. "Wir sind meist Kreuzberger und haben ein Faible für unseren Kiez." Und gerade der Görlitzer Park habe ja derzeit nicht unbedingt den besten Ruf. "Umso wichtiger ist es, dem etwas entgegen zu setzen."

Auch sie und ihre Mitstreiter gehen davon aus, dass ihr besonderer Sport-Bilderbogen ohne Verunstaltungen bleibt. Sie setzen auf Erfahrungswerte. Selbst ein Werk an der Falckensteinstraße habe bisher unter solchen Übergriffen nicht zu leiden gehabt.

Was liegt da eigentlich näher, als die Gruppe in Zukunft in Kreuzberg häufiger zum Einsatz kommen zu lassen? Auch Schul- und Sportstadtrat Dr. Peter Beckers (SPD) dachte bei der Präsentation der bemalten Sportplatzfassaden am 10. April in diese Richtung. "Ich könnte mir so etwas auch gut an vielen Schulen vorstellen." Die Künstler zeigten sich ebenfalls an weiteren Aufträgen interessiert. Gleichzeitig haben sie aber auch nichts dagegen, wenn ihr Einsatz künftig vergütet wird. Billiger als dauerndes Reinigen wäre das wahrscheinlich immer noch.


Thomas Frey / tf
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