Topographie des Terrors zeigt Ausstellung zur Presse in der NS-Zeit

In Deutschland gab es 1933 etwa 4500 Zeitungen und Zeitschriften. Wirkliche Meinungspluralität gab es ab diesem Zeitpunkt aber nicht mehr. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Anfang des Jahres 1933 waren sich viele Zeitungen im Deutschen Reich einig: Mit der NSDAP gehe es ab jetzt bergab. Die Partei und ihr Führer werden nicht an die Macht kommen.

Nur wenige Wochen später klang das ganz anders. Sehr schnell nach dem 30. Januar 1933 beteuerten die meisten Presseorgane ihre Zustimmung und Mitarbeit zur "nationalen Revolution".Wie es dazu kam, dass nicht nur die gedruckten Medien im "Dritten Reich" binnen kurzer Zeit gleichgeschaltet werden konnten, untersucht jetzt die Ausstellung "Zwischen den Zeilen", die bis zum 20. Oktober in der Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, zu sehen ist.

Dieser Schwenk zu mehr oder weniger starken Sprachrohren des Nationalsozialismus geschah nicht nur in Form von ganz unmittelbarem Zwang. Verbote und Verhaftungen gab es zunächst vor allem gegen sozialdemokratische und kommunistische Zeitungen und ihre Redakteure. Die bürgerliche, konservative oder die sogenannte Generalzeiger-Presse wurde eher durch sanften Druck gefügig gemacht oder leistete teilweise von selbst freiwilligen Gehorsam. Mit Zuckerbrot und Peitsche agierten die Nazis auch bei ihrem neuen Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1933. Es stärkte die soziale Stellung der Journalisten, machte aber seine Beschäftigung gleichzeitig von einer positiven Einstellung zum NS-Staat abhängig. Jüdischen Kollegen waren von einer weiteren Mitarbeit ausgeschlossen.

Parallel dazu wurden viele Verlage wirtschaftlich in die Zange genommen. Das Haus Ullstein, Deutschlands bis dahin größtes Presseunternehmen, ist dafür nur das markanteste Beispiel. Die jüdische Familie Ullstein musste sich weit unter Wert von ihrem Verlag trennen. Er wurde, wie andere, Teil des nationalsozialistischen Zeitungsimperiums.

Damit war der Rahmen sehr früh abgesteckt, in dessen Form die Zeitungen zu agieren hatten. Wünsche und Forderungen des Regimes ergaben sich aus den täglichen Sprachregelungen oder wurden mehr oder weniger subtil durchgesetzt. Das aber nicht immer im Gleichschritt. Ähnliche wie etwa beim Film war auch unpolitische Unterhaltung ausdrücklich erwünscht, schon um die Volksgenossen bei Laune zu halten. Und manche Zeitungen erhielten einige Zeit ganz bewusst gewisse Freiräume. Das galt vor allem für die auch im Ausland stark beobachtete Frankfurter Zeitung. "Wenn es zu arg wird, schreiten wir aber sofort ein", ließ das Propagandaministeriums keinen Zweifel, wie eng auch hier die Grenzen gezogen waren. Und spätestens während des Krieges hatte dieses Aushängeschild seinen Zweck erfüllt. Die Frankfurter Zeitung wurde 1943 eingestellt.

Andere Publikationen versuchten aktuelle Kritik hinter historischen Analogien zu verbergen oder wie der Titel der Ausstellung suggeriert "zwischen den Zeilen" zu platzieren. Dass es sich bei solchen Versuchen ein gar flächendeckender Oppositionsgeist am Werk war, gehört aber eher zur Legendenbildung. Weitaus mehr gilt, dass sich gerade die Presse und ihre schreibende Akteure als überwiegend willfähige Vollstrecker erwiesen. Darunter auch viele Journalisten, die danach in der Bundesrepublik weiter Karriere machten.

Die Ausstellung in der Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Thomas Frey / tf
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