Ungewöhnliche Theaterproduktion im Thikwa

Kreuzberg. In keiner Stadt liegen Höhen und Abgründe der deutschen Geschichte so nah beieinander wie in Weimar. Auf der einen Seite ist es der Ort der Klassiker Goethe, Schiller oder Herder. Aber nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt befand sich in der Nazizeit das Konzentrationslager Buchenwald.

In dieses Spannungsfeld führt das aktuelle Stück des Integrationstheaters Thikwa in der Fidicinstraße 40 unter dem Titel "Schillers Schreibtisch". Im Jahr 1943 wurden Häftlinge aus Buchenwald gezwungen, eine Kopie dieses Möbelstücks des Dichters anzufertigen. Wegen zunehmender Bombenangriffe sollte das Original an einen sicheren Platz gebracht werden.

Ausgehend von dieser Geschichte begibt sich das siebenköpfige Ensemble auf eine Zeitreise. Sie führt vom Leben Schillers zur Frage nach Pflege und Missbrauch geistigen Erbes und nationaler Identität. Das alles erhält auch eine ganz persönliche Bedeutung. Zu Thikwa gehören Schauspieler mit einem Handicap. Geistig behinderte und psychisch kranke Menschen wurden während des Nationalsozialismus im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms umgebracht oder eingesperrt. Die Gefangenen, die damals in Buchenwald Schillers Schreibtisch bauen mussten, das hätten damals auch die heutigen Akteure sein können.

Die Aufführung ist Teil des Berliner Veranstaltungsprogramms "Zerstörte Vielfalt. Die nächsten Vorstellungen sind vom 22. bis 25. Mai, jeweils um 20 Uhr. Die Karten kosten 16, ermäßigt zehn Euro.

Thomas Frey / tf
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