Unterstützer okkupieren Gebäude für Flüchtlingscamp

Kreuzberg. Die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule in der Reichenberger-/Ecke Ohlauer Straße ist am 8. Dezember von rund 100 Aktivisten aus der linken Szene besetzt worden.

Mit der Aktion soll ein Platz für die Bewohner des Flüchtlingscamps auf dem Oranienplatz geschaffen werden. Dazu kommen Forderungen nach einer Änderung der Asylpolitik. Verlangt wird unter anderem die Abschaffung der Residenzpflicht und den Stopp aller Abschiebungen. Während die Besetzer unter anderem in einer Erklärung auf dem linksautonomen Netzportal indymedia davon sprechen, dass es sich bei ihnen um eine Gruppe sowohl von Flüchtlingen als auch Unterstützern handelt, stellt sich die Situation wohl tatsächlich so dar, dass lediglich Mitglieder der Sympathisantenszene, aber keine Asylbewerber, die am Oranienplatz oder am Brandenburger Tor campieren, daran beteiligt waren. Allerdings scheinen einige von ihnen in den vergangenen Tagen ebenfalls in die Reichenberger Straße gekommen zu sein. Schon deshalb, weil sich die Situation im Zeltdorf und erst recht im Freien, wegen des Wintereinbruchs, zugespitzt hat. Bei den Bewohnern dort handelt es sich vor allem um die Teilnehmer des Flüchtlingsmarsches, der im Sommer von Würzburg nach Berlin aufbrach und am 6. Oktober hier ankam. Parallel dazu gab es zuletzt außerdem einen großen Zustrom weiterer Asylsuchender nach Berlin. Deshalb wurde am 1. Dezember das im Oktober geschlossene Seniorenheim in der Stallschreiberstraße 12 zu einer neuen Unterkunft für 400 Menschen umgewandelt.

Bürgermeister Dr. Franz Schulz (B 90/Grüne) signalisierte inzwischen, dass der Bezirk einen vorübergehenden Verbleib von Flüchtlingen in der ehemaligen Schule möglicherweise bis zum nächsten Frühjahr dulden werde. Dafür spreche bereits die Wetterlage, aktuell und wohl auch in den kommenden Monaten.

Das Haus steht seit etwa zwei Jahren leer. Mit mehreren Interessenten laufen seit einiger Zeit Gespräche für eine weitere Nutzung. Zum Beispiel mit der Freien Schule Kreuzberg in der Zeughofstraße oder dem Geburtshaus in der Müllenhoffstraße. Beide müssen ihre bisherigen Standorte verlassen.


Thomas Frey / tf
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