Versammlung zum neuen Asylbewerberheim

Kreuzberg. Seit 1. Dezember ist das ehemalige Seniorenheim in der Stallschreiberstraße 12 eine Unterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber. Am 7. Dezember wurde die Bevölkerung darüber in einer Bürgerversammlung informiert.

Dass die Veranstaltung erst stattfand, nachdem die ersten Bewohner eingezogen waren, brachte viele Nachbarn auf die Palme. Sie fühlten sich vor vollendete Tatsachen gestellt und warfen dem Bezirksamt mangelnde Transparenz vor. Rückendeckung bekamen sie von der CDU Friedrichshain-Kreuzberg. Deren Vorsitzender Kurt Wansner unterstellte Bürgermeister Dr. Franz Schulz (B 90/Grüne), er sei nur dann an einer Bürgerbeteiligung interessiert, wenn es ihm politisch in den Kram passe.Schulz und Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) verwiesen dagegen darauf, dass die Entscheidung für den Standort Stallschreiberstraße binnen weniger Tage fallen musste. Der Grund für diese Eile sei die mehr als angespannte Situation vieler Asylbewerber in Berlin gewesen. Die Menschen mussten in den vergangenen Wochen teilweise bereits in Turnhallen untergebracht werden. Deshalb habe Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) gedroht, er werde möglicherweise Gebäude in den Bezirken zwangsrekrutieren. "Das wollten wir vermeiden und halfen mit unserer schnellen Entscheidung gleichzeitig dem Senator", betonten Bürgermeister und Stadtrat. Argumente, die allerdings nicht alle Gäste überzeugten.

Manche, der rund 100 Teilnehmer machten außerdem deutlich, dass ihnen das Heim vor ihrer Haustür ohnehin nicht passt. Im umliegenden Kiez gebe es schon genug Ärger, etwa mit der Drogenszene. Mit den 400 neuen Nachbarn in der Stallschreiberstraße, so die teilweise hitzig und nicht immer sachlich vorgebrachte Ansicht, würden sich die Probleme weiter verschärfen.

Die Menschen, die hier einziehen seien weder Dealer, noch Kriminelle oder Prostituierte, sondern häufig traumatisierte Flüchtlinge, viele mit Familie, betonten dagegen die Vertreter des Heimträgers Prisod. "Für uns geht es vor allem darum, dass sie sich sehr schnell hier zurechtfinden und integrieren", so Geschäftsführerin Susanne Menk. Es gebe sozialpsychologische Angebote und Sprachkurse, die Bewohner sollen nicht nur untereinander Kontakt finden, sondern auch zu ihrer Nachbarschaft.

Auch in der Stallschreiberstraße wurden die Anwohner eingeladen, sich im Haus zu informieren. Vorgesehen sind außerdem gemeinsame Projekte, über die sich ein Runder Tisch Gedanken machen soll. Matthias Koch, Chef des Aufbau-Hauses am Moritzplatz, stellte bereits eine Zusammenarbeit in Aussicht.

Darüber hinaus kommen allerdings vor allem auf den Bezirk noch einige Aufgaben zu. Er muss zum Beispiel sicherstellen, dass es sehr schnell genug Kita- und Schulplätze für die erwarteten Kinder und Jugendliche gibt. "Deshalb wird die zuletzt nicht mehr genutzte Kindertagesstätte direkt neben dem Asylbewerberheim in Kürze wieder eröffnet", kündigte Bürgermeister Schulz an. Bei den Schulen gebe es an einigen Standorten noch Aufnahmekapazitäten, etwa in der nicht weit entfernten e.-o.-plauen-Grundschule in der Wrangelstraße.


Thomas Frey / tf
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