Arbeitssenatorin Dilek Kolat besucht das Jobcenter

Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) im Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Job-Assistenz Friedrichshain-Kreuzberg. (Foto: Schilp)

Kreuzberg. In Berlin gibt es 2800 weniger arbeitslose Jugendliche als im Vorjahr. Diese erfreuliche Tatsache nahm Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) zum Anlass, am 31. Juli das Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg an der Lindenstraße zu besuchen und mit den Mitarbeitern über ihre Arbeit zu sprechen.

"Wir kommen zwar von einem hohen Niveau, aber beim Abbau von Jugendarbeitslosigkeit sind wir die Nummer eins", sagte die Senatorin. Friedrichshain-Kreuzberg leiste gute Arbeit, wie gehe man hier vor? Die Mitarbeiter berichteten, dass sie ab der 9. Klasse Arbeitsvermittler und Berufsberater in die Schulen schicken und dass sie mit der Jugendhilfe, Schuldnerberatern und anderen Trägern kooperieren. Man schreibe die Eltern von Zehntklässlern an, um mit ihnen in Kontakt zu kommen, und gehe sogar nach den Freitagsgebeten in Moscheen. "Letzteres leider mit mäßigen Erfolg", so Bereichsleiterin Britta Zander. Dieses Problem ist Dilek Kolat bekannt: "Gerade türkische Eltern wollen Schule, Schule, Schule. Es ist wichtig, ihnen die duale Ausbildung nahezubringen".

Auch wenn die Jugendlichen einen Ausbildungsplatz haben, ist nicht immer alles in Butter. Rund 30 Prozent brechen ihre Lehre ab, meistens in den ersten sechs Monaten. Hoch ist die Quote im Friseurhandwerk oder in der Gastronomie, gering im Bereich Banken, Verwaltung und Elektronik. Für die Gründe der Abbrüche nannten die Berater Schwierigkeiten in der Berufsschule, persönliche und gesundheitliche Motive oder einen Neigungswechsel. "Die Jugendlichen merken oft, dass der Job nicht so ist, wie sie ihn sich vorgestellt haben", sagte eine Arbeitsvermittlern. Es sei deshalb wichtig, ihnen ein realistisches Bild vom Beruf zu vermitteln und sie auch während der Ausbildung zu begleiten.

Die Senatorin wollte außerdem wissen, warum die "Einstiegsqualifizierung" (EQ) so schlecht angenommen werde, das sind staatliche geförderte sechs- bis zwölfmonatige Betriebspraktika für schwer vermittelbare Jugendliche. Nur 200 bis 300 Jugendliche würden pro Jahr eine solche Qualifizierung durchlaufen. Hier seien die Unternehmen gefordert, sie müssten mehr Stellen anbieten. Dazu sagte Jobcenter-Geschäftsführer Stephan Felisiak: "Die Betriebe wollen oft fertige Jugendliche. Aber sie müssen selbst auch etwas tun. Wenn die Motivation stimmt, dann klappt das auch."

Im Anschluss an das Gespräch besuchte die Senatorin die "Job-Assistenz Friedrichshain-Kreuzberg" an der Rudi-Dutschke-Straße 5. Hier können sich Leute, die einen Ausbildungsplatz suchen, Arbeitslose und -suchende informieren - auch, wenn sie Probleme mit ihren Jobvermittlern haben. Es ist möglich, an einem Computer Bewerbungen auszudrucken; es gibt nach Branchen geordnete Jobangebote und Links zu anderen Hilfestellen. Auch Schuldner- und Sozialberatungen gehören zur Leistungspalette. Alle Angebote sind kostenlos. Die Jobassistenz ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Termine kann man unter 278 73 31 40 oder per E-Mail fk@jobassistenz-berlin.de. vereinbaren.


Susanne Schilp / susch
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