Jugendamt prüft mögliche Missbrauchsfälle in Kreuzberg

Kreuzberg. Der Kommissionsbericht, den der Landesverband von Bündnis90/Grüne Ende Mai zur pädophilen Vergangenheit der Partei vorgelegt hat, zieht inzwischen Kreise. Gerade auch in Kreuzberg.

Aus den Ergebnissen des Berichts lässt sich herauslesen, dass der Bezirk vor allem in den 1980er und Anfang der 90er Jahre eine Hochburg jener Gruppen in der damaligen Alternativen Liste (der frühere Name der Grünen in Berlin) war, die straffreien Sex zwischen Erwachsenen und Kindern propagierten. Und es in vielen Fällen nicht bei verbalen Forderungen beließen, sondern vor allem Jungen missbrauchten.

Inwieweit das zu dieser Zeit bereits dem Jugendamt Kreuzberg bekannt war und ob es bewusst oder in Unkenntnis eine Art Beihilfe dazu geleistet hat, soll jetzt untersucht werden. Bürgermeisterin Monika Herrmann (B 90/Grüne) hat das Amt angewiesen, nach Akten im Zusammenhang mit möglichen Missbrauchsfällen zu suchen. Dabei könnte es zum Beispiel um Pflegekinder gehen, die in Obhut von verurteilten Sexualstraftätern gegeben worden sind. Mindestens drei solcher Fälle sind in Berlin inzwischen bekannt. Für sie verantwortlich war, wie es aussieht, die damalige Senatsverwaltung für Jugend.

In Kreuzberg ist außerdem zu klären, ob Pädophile und ihre Netzwerke auch auf andere Weise von der Unterstützung des Amts profitiert haben könnten. Etwa, indem ihnen Räume zur Verfügung gestellt wurden oder sie finanzielle Zuwendungen erhielten. Und interessant wäre es auch herauszubekommen, wie die Mitarbeiter auf mögliche Hinweise sexuellen Missbrauchs reagiert haben.

Welche Erkenntnisse es dazu gibt, war in den ersten Tagen noch unklar. Denn zahlreiche Akten scheinen inzwischen vernichtet zu sein. Sie müssen in den meisten Fällen zehn Jahre aufbewahrt werden. Deshalb sollen auch ehemalige Kollegen befragt werden. Etwa noch vorhandene Protokolle aus der BVV.

Denn thematisiert wurden die Fälle von Missbrauch bereits in den 80er Jahren.Es waren gerade Frauen aus der Alternativen Liste die schon damals darauf hinwiesen.


Thomas Frey / tf
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