Wie der Görlitzer Park zurückerobert werden soll

Kreuzberg. Am 5. Mai begann im Görlitzer Park das Projekt doppelte Doppelstreife.

Jeweils zwei Polizisten sowie zwei Vertreter des Ordnungsamtes sind jetzt von Montag bis Sonnabend ständig im Park unterwegs. Die gemeinsamen Rundgänge sollen die vielen Dealer im Park zumindest aufschrecken und ihren Handel erschweren. Eine ständige Präsenz sei zielführender, als punktuelle Razzien, so die Hoffnung.

Bereits in den ersten 48 Stunden habe es mehrere Anzeigen wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetzes sowie Platzverweise gegeben, sagt Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach. Überall gleichzeitig kann aber auch die Streife nicht sein. Und die Anzahl der Drogenanbieter, so zumindest der Eindruck aus den vergangenen Tagen, scheint sich auch nicht signifikant verändert zu haben. Sie stehen weiter vor allem entlang der Hauptwege.

Nur mit solchen Maßnahmen dem Problem zu Leibe zu rücken, wird ohnehin nicht reichen. Das wurde auch bei einem Treffen zwischen verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und Initiativen rund um den Görli und dem Bezirksamt am 7. Mai deutlich. Zu hören bekamen Bürgermeisterin Monika Herrmann (B 90/Grüne) und mehrere Stadträte zunächst noch einmal verschiedene Klagen über die Zustände im Park. Kitagruppen laufen nicht mehr durch die Anlage, wenn sie zum Beispiel auf dem Weg ins Spreewaldbad sind, Eltern verbieten ihren Kindern, sich dort aufzuhalten.

Es habe aber auch viele Vorschläge gegeben, wie der Görli wieder für die Bevölkerung zurückerobert werden könnte, erzählt Sascha Langenbach. "Beispielweise verschiedene Angebote, gerade von und für Kinder." Zu ihnen gehört auch das Familienfest, das am 17. Mai von 14 bis 19 Uhr im Park stattfindet. Bei solchen Veranstaltungen würden die Dealer meist Abstand halten. Zumindest ist das die Erfahrung des Spielmobils Spielwagen, das regelmäßig im Görli gastiert.

Damit solche Ideen verwirklicht werden können, ist das Bezirksamt bereit, von seiner bisher eher rigiden Genehmigungspraxis für angemeldete Festivitäten abzuweichen. Auch andere Unwägbarkeiten, etwa eine Beeinträchtigung der Rasenfläche scheinen dabei eine untergeordnetere Rolle zu spielen. Zumal das Gras an vielen Stellen ohnehin stark abgenutzt ist. Der Rückzug der Dealer hat demgegenüber Priorität.

Aber selbst wenn das gelingt, stellt sich das nächste Problem, das bereits jetzt an vielen Stellen zu erkennen ist. Denn wem der Drogenverkauf im Görlitzer Park zu stressig geworden ist, der weicht inzwischen auf andere Orte aus. Sogar auf Schulhöfe, was bei dem Gespräch am 7. Mai ebenfalls beklagt wurde.

Auch rund um die U-Bahnstation Görlitzer Bahnhof werden Passanten zuletzt verstärkt mit Drogenangeboten konfrontiert. Zu beobachten ist außerdem, dass sich die Szene immer mehr in Richtung Warschauer Brücke und auf das RAW-Gelände in Friedrichshain verlagert.

Wie damit umzugehen ist, dafür gibt es bisher noch keine befriedigende Antwort. Es gelte verstärkt die Kunden ins Visier zu nehmen, so eine Forderung. Zu denen scheinen nicht zuletzt Touristen zu gehören. Sie sollen durch spezielle Flyer angesprochen werden. Vor allem Gäste aus den USA und Südeuropa hätten den Eindruck, rund um den Görli ist eine Gegend, in der in Sachen Drogen so ziemlich alles erlaubt sei, meint Sascha Langenbach.


Thomas Frey / tf
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