Die gesperrte U 1 und die Folgen

Schienenersatzverkehr trifft auf Autoverkehr, trifft auf Baustelle: So ist die Situation gerade am U-Bahnhof Kottbusser Tor. (Foto: Thomas Frey)
 
Gesperrt bis Ende Juli. Das gilt neben dem Hochbahnhof Kottbusser Tor auch für die Stationen Prinzenstraße und Görlitzer Bahnhof. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: U-Bahnlinie 1 |

Kreuzberg. Seit 12. Juni ist die U-Bahnlinie 1 vom Halleschen Tor bis zum Schlesischem Tor unterbrochen. Und das, wie berichtet, bis 29. Juli.

Die Sperrung wegen neuer Gleisanlagen zwischen Kottbusser- und Schlesischem Tor hat vor allem in den ersten Tagen für einigen Stress gesorgt. Zunächst schon deshalb, weil sie sehr kurzfristig angekündigt wurde. Erst am 9. Juni gab es die entsprechende Pressemitteilung.

Das sei bewusst so gemacht worden, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bei einem längeren Vorlauf würden die Leute die Einschränkung wieder vergessen. Stattdessen waren aber manche U-Bahnnutzer am 12. Juni erst einmal überrascht.

Noch mehr beschäftigte eine andere Frage. Nämlich, ob die Arbeiten ausgerechnet jetzt stattfinden müssen? Denn der betroffene Bereich ist schon aktuell nicht arm an Baustellen. Parallel zur unterbrochenen Hochbahn wird an der Gitschiner Straße der neue Fahrradweg angelegt. Nicht weit davon entfernt, an der Blücher- und Zossener Straße, ist die Kreuzung gesperrt. Im Bahnhof Kottbusser Tor saniert die BVG bereits seit einigen Monaten. Was zur Folge hat, dass Fahrgäste, die zur U8 wollen, jetzt nur noch die südlichen Eingänge benutzen können. Der Termin für die Gleisausbesserung liegt dann auch noch exakt zwischen dem Ende der Pfingstferien und der ersten Woche der Sommerferien.

Alles kein Zufall, sondern lange geplant, vorbereitet und schließlich mit der entsprechenden Genehmigung versehen, entgegnet Petra Reetz. "Wir bauen immer irgendwo", stellt sie erst einmal grundsätzlich klar. Bei Freiluft-Vorhaben, wie jetzt an der U1, gebe es dafür aber nur ein gewisses Zeitfenster, sprich in den warmen Monaten. Die Sanierung sei dort dringend nötig und deshalb gehe Sicherheit vor mögliche andere Einschränkungen. Dass sich Arbeiten der Verkehrsbetriebe mit anderen Baustellen überschneiden, sei ebenfalls kein aktuell spezielles Kreuzberger Problem, sondern lasse sich gerade bei den derzeit sehr zahlreichen Investitionen im öffentlichen Raum leider nicht immer vermeiden. Die Sprecherin verweist darauf, dass der Schienenersatzverkehr weitgehend reibungslos laufe. Für die Busse gebe es eigene Spuren, 19 seien im Einsatz. "Jeder wird mitgenommen."

Das ist, auch aus eigener Erfahrung, erst einmal nicht falsch. Am späten Nachmittag des 13. Juni brauchte ein Großer Gelber vom Kottbusser Tor zum Schlesischen Tor acht Minuten und damit nur wenig mehr, als sonst die U-Bahn auf dieser Strecke. Allerdings geht es nicht immer so schnell, wie auch BVG-Mitarbeiter einräumen.

Ärgerlich wird es, wenn gerade eine große Zahl Ersatzverkehrkunden am Schlesischen Tor ankommt und dort just der Pendelzug in Richtung Warschauer Straße abfährt. Bis zum nächsten dauert es dann siebeneinhalb Minuten. Das lasse sich aber nicht anders regeln, erklärt Petra Reetz. Die Züge müssten ihren Fahrplan einhalten. Und da ständig Ersatzbusse ankommen, auf welchen soll dann gewartet werden?

Vor allem manche Touristen haben noch Schwierigkeiten, sich in dem Mischmasch aus Pendel-, Schienenersatz- und ab Halleschem Tor wieder regulärem Verkehr auf der U1 zurechtzufinden. Etwa eine spanische Reisegruppe, die anscheinend schon mehrfach zwischen Schlesischem Tor und Warschauer Straße hin- und herfuhr, ehe sie von freundlichen Sitznachbarn über die aktuellen Besonderheiten aufgeklärt wurde.

Neben der Busalternative durch Kreuzberg empfehlen die Verkehrsbetriebe, den Bereich mit anderen U- oder S-Bahnen zu umfahren, beziehungsweise auf diesem Weg anzusteuern. Was, so ihre Sprecherin, von vielen befolgt werde und ebenfalls zur Entspannung beigetragen habe. Insgesamt scheint auch richtig, dass sich die meisten Betroffenen sehr schnell mit der Situation abgefunden haben. Dabei kommt die größte Prüfung für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs erst am Wochenende zwischen 21. und 24. Juli auf sie zu. Die Arbeiten an der Hochbahn sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet, gleichzeitig fahren wegen der Neuordnung des Streckenbetriebs auf der Großbaustelle Ostkreuz von Freitagabend bis Montagmorgen keine S-Bahnen auf der Stadtbahn zwischen Lichtenberg und Hauptbahnhof, beziehungsweise ab Sonntag von Lichtenberg bis Friedrichstraße. Außerhalb dieses Bereichs kommt es teilweise zu Pendelverkehr. tf
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