Ein Beispiel für die überlastete Verkehrslenkung Berlin

Die Einfahrt zur Ersatzfahrbahn auf dem Mittelstreifen. Sie ist seit Juni fertig, wurde aber bisher nicht genutzt. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Wer in den vergangenen Monaten die Yorckstraße zwischen Mehringdamm und Großbeerenstraße entlang fuhr, wunderte sich vielleicht über die Hinweise auf eine Baustelle. Obwohl dort gar nicht gearbeitet wird.

Das Rätsel hat auch hier einen Namen - die Verkehrslenkung Berlin (VLB). Die Behörde steht derzeit allgemein wegen häufig sehr verspäteten Genehmigungen für Straßenbaustellen massiv in der Kritik. Die Yorckstraße ist dafür nur ein, wenn auch ziemlich anschauliches, Beispiel.

Dort wollen die Berliner Wasserbetriebe auf einer Länge von exakt 206 Metern eine alte Abwasserdruckleitung gegen eine neue austauschen. Den Antrag dafür haben sie, nach Angaben von Sprecher Stephan Natz, bereits vor zwei Jahren gestellt. Im Mai bekamen sie dann die erste (Teil)Anordnung, wie Genehmigungen von der VLB genannt werden. Sie bezog sich aber nicht auf das eigentliche Vorhaben, vielmehr ging es um das Einrichten der Ersatzstraße. Auf der bestand die VLB, weil auch während der Arbeiten mindestens zwei Fahrbahnen zur Verfügung stehen sollten. Die Ausweichspur wurde auf dem Mittelstreifen eingerichtet. Dafür musste dort der Parkplatz weichen.

Der Bau der temporären Straße klappte pünktlich und danach sollte es schnell mit dem Austausch der Abwasserleitung losgehen. Das Bezirksamt kündigte den Beginn für Anfang Juni an. Auch die Berliner Woche nannte kurz danach dieses Datum, das ebenfalls auf einem Hinweisschild an der Kreuzung Mehringdamm und Yorckstraße zu lesen war. Das Ende war dort für September terminiert.

Aber die Verkehrslenkung spielte nicht mit. Ihre Anordnung ließ den ganzen Sommer und den halben Herbst auf sich warten. Erst am 7. Oktober sei eine Nachricht gekommen, dass das Okay in Kürze erfolge, erzählt Stephan Natz. Davor muss die ganze Angelegenheit aber noch von der Polizei geprüft werden. Sie hat dafür maximal eine Woche Zeit. Kommen keine Einwände, könnte es irgendwann ab dem 14. Oktober losgehen. Mit mehr als vier Monaten Verspätung.

Natürlich sei man bei den Wasserbetrieben deshalb ungehalten, meint ihr Sprecher. Denn das ziehe natürlich einen weiteren Rattenschwanz an Problemen nach sich. Von beauftragten Firmen, die erst einmal wieder abbestellt werden müssen, bis zu höheren Kosten.

Trotzdem klingt Stephan Natz nicht so, als hege er einen riesen Groll gegen die Verkehrslenkung. Zum einen deshalb, weil solche Erfahrungen inzwischen fast Alltag sind. "Die Yorckstraße ist für uns kein Einzelfall. Es gibt mehrere Baustellen, wo wir ähnlich lange warten mussten."

Vor allem aber, so findet er, wäre es nicht fair, einfach auf die Mitarbeiter der VLB einzuhauen. "Keiner dreht dort Däumchen, die sind alle völlig überlastet." Lediglich 13 Mitarbeiter hat diese Behörde, die nahezu allen größeren Straßenbauvorhaben in Berlin ihren Segen geben muss. Dazu gebe es einen hohen Krankenstand, erklärte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) vor kurzem auf eine Anfrage des Kreuzberger Abgeordneten Björn Eggert (SPD). Deshalb soll das Personal jetzt endlich aufgestockt werden.

Gaebler nannte außerdem die Zahl von knapp 80 Anträgen, die dort aktuell auf Halde liegen. Irgendwo in diesem Berg befand sich lange die Yorckstraße. Sie ist auch nicht das einzige Straßenbauvorhaben im Bezirk, das nur mit großer Verzögerung starten konnte oder wo die Anordnung noch immer fehlt. Meist fällt das nur weniger auf, solange kein Bauschild steht.


Thomas Frey / tf
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