Mit Tempo 30 gegen die Verkehrsanarchie: Lokaltermin wegen Chaos auf der Oranienstraße

Zwei Autos halten in zweiter Reihe und der Bus kommt entgegen eine typische Situation auf der Oranienstraße.
 
An vielen Stellen wird die Oranienstraße einfach überquert, weil es keine regulären Übergänge gibt. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Oranienstraße |

Kreuzberg. Wenn die Zusage eingehalten wird, müssten in den kommenden Tagen auf der Oranienstraße ein paar Schilder ausgetauscht werden. Dann soll auch im Abschnitt zwischen Heinrichplatz und Skalitzer Straße Tempo 30 gelten.

Bisher waren dort, anders als in Richtung Oranienplatz, 50 Kilometer pro Stunde erlaubt. Die durchgehend reduzierte Geschwindigkeit war eine Forderung einer Initiative von Anwohnern und Gewerbetreibenden. Wenn auch nicht die Wichtigste. Sie wurde aber prompt erfüllt– während eines Vor-Ort-Termins am 10. März, zu dem sich nicht nur die Mitglieder aus dem Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses sondern auch Vertreter mehrerer Verwaltungen sowie der Polizei und der BVG eingefunden hatten. An die Abgeordneten hatte sich die Initiative gewandt, weil sie die Oranienstraße in puncto Verkehr inzwischen als einen "rechtsfreien Raum" sieht.

Was damit gemeint ist, wurde auch während des rund einstündigen Treffens am Heinrichplatz deutlich. Da parkten Autos in zweiter Reihe und verursachten einen Rückstau. Radfahrer schlängelten sich zwischen ihnen durch oder benutzen den Gehweg und kollidieren dort mit Fußgängern. Haltestellen waren manchmal zugeparkt. Aussteigende Fahrgäste landeten dann auf der Straße. Und ganz eng wurde es nicht nur, wenn sich zwei Busse auf der Oranienstraße begegneten.

Gegen solche und weitere Beispiele von Verkehrsanarchie helfe nach Ansicht von Anwohnersprecher Bernd Steinmeyer nur eine ganz große Lösung. Seine Hauptforderung lautete: Die Oranienstraße muss zur Einbahnstraße werden.

Diesem Vorschlag wollte Ralf Lehmann-Tag von der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr aber nicht folgen. Eine Einbahnstraße löse die Probleme nicht, sondern verlagere sie nur in die umliegende Umgebung, war sein Argument. Auch die Forderung nach Radstreifen könne wegen der nur zwölf Meter Breite der Straße nicht erfüllt werden.

Entgegenkommen zeigte er dagegen beim Thema zusätzliche Zebrastreifen oder andere Querungshilfen. Dafür soll die Initiative Vorschläge machen, an welchen Stellen sie das für angebracht hält.

So blieb am Ende vor allem das schnelle Umsetzen von Tempo 30, was innerhalb von etwa 14 Tagen passieren soll. Auch wenn zum Beispiel Andreas Möser, Sachbearbeiter Verkehrsregelung bei der Polizeidirektion 5 nicht glaubt, dass sich dadurch grundsätzlich etwas ändert. Auf dem bisherigen Tempo 50-Abschnitt habe es weniger Unfälle gegeben, als dort, wo Tempo 30 gilt, merkte er an. Und eine zu hohe Geschwindigkeit sei bei dem hohen Verkehrsaufkommen zumindest tagsüber auch nicht das größte Problem. Eher das Gegenteil. Kaum irgendwo in der Stadt seien die Busse gezwungenermaßen so langsam unterwegs wie auf der Oranienstraße, merkte der Vertreter der BVG an. Nämlich mit gerade mal zwölf Stundenkilometern.

Als weitere kurzfristige Maßnahme wurden mehr Kontrollen verlangt. Was Ordnungsamtsleiter Joachim Wenz allerdings nicht zusichern konnte. Zwar habe es bereits einige Schwerpunkteinsätze auf der Oranienstraße gegeben und werde es auch weiter geben, aber mit insgesamt nur 26 Außendienstmitarbeitern für den gesamten Bezirk, verteilt auf zwei Schichten an jedem Wochentag, sei ein durchgehendes Ausweiten der Überwachung an einer Stelle nicht zu leisten. tf
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Mehmet Durak aus Reinickendorf | 22.03.2017 | 18:53  
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