"Das Filou muss bleiben": Der Kiez kämpft für seine Bäckerei

Die Kündigung für die Bäckerei Filou trieb die Nachbarn auf die Straße. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Bäckerei Filou |

Kreuzberg. Die Demonstration begann um fünf vor zwölf. Die Uhrzeit sollte die Situation verdeutlichen, in der sich die Bäckerei und das Café Filou an der Reichenberger Straße befinden.

Dem Laden an der Ecke Glogauer Straße wurde zum 31. Juli gekündigt. Für die Eigentümer des Gebäudes passt er anscheinend nicht mehr ins Konzept. Was viele Bewohner im Kiez ganz anders sehen. Seit bekannt ist, dass das Filou verschwinden soll, gibt es eine breite Unterstützung für den Laden.

Rund 2000 Menschen haben sich bereits per Unterschrift gegen die Schließung gewandt. Schon vor der "Fünf vor zwölf"-Demo am 12. Februar hatte es Protestversammlungen gegeben, und auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sprach sich am 8. Februar in einer einstimmig angenommenen Resolution für den Erhalt der Bäckerei aus. Sie war von einer ansonsten eher seltenen Koalition, bestehend aus Grünen, Linken und der CDU, eingebracht worden.

Mehr als ein Appell an den Eigentümer, die Kündigung zurückzunehmen und auf die ungesicherte materielle Existenz der Inhaber des Familienbetriebs und ihrer Mitarbeiter nach einem Aus hinzuweisen, kann aber die Bezirkspolitik derzeit kaum leisten, denn rechtlich ist die Kündigung gedeckt. Deshalb steht das Filou als weiteres Beispiel für ein Problem, das sich nicht nur, aber gerade in Friedrichshain-Kreuzberg an vielen Stellen zeigt, nämlich dem Verdrängen oft alteingesessener Geschäfte zugunsten von Wohnungen oder einer gewerblichen, in den meisten Fällen gastronomischen Monokultur, mit der sich für Vermieter meist weitaus höhere Pachtpreise erzielen lassen. Die Erosion dieser "sprichwörtlichen Kreuzberger Mischung" wird deshalb auch in der Resolution beklagt.

Anders als Wohnungs- haben Gewerbemieter häufig befristete Verträge, die ohne größere Probleme gekündigt beziehungsweise nicht verlängert werden können. Auch der Milieuschutz, etwa das dort verankerte Vorkaufsrecht, hilft ihnen nicht, denn der bezieht sich vor allem auf Wohnhäuser. So bleibt erst einmal nur die Forderung, den Milieuschutz auch auf das Kleingewerbe auszuweiten. Und der Protest. Der hat immerhin bereits in einigen Fällen zum Erfolg geführt. Am Schlesischen Tor wurde vor zwei Jahren die Kündigung eines Reinigungsbetriebs zurückgenommen. Auch beim Kampf um den Gemüseladen Bizim Bakkal signalisierten die Eigentümer Entgegenkommen, auch wenn die Betreiber danach trotzdem aufgaben. tf
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