Zur Erinnerung an jüdische Bewohner: Der Kirchenkreis Steglitz ließ zehn weitere Stolpersteine verlegen

Patin Nina Haeberlin (links) und Constanze Bürger vom Kirchenkreis verlegten mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig drei Gedenksteine vor dem Haus Nicolaistraße 38. (Foto: Klaus Tessmann)
Berlin: Stolperstein |

Steglitz. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt der Talmud, eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Um dies zu verhindern, wurden am Donnerstag, 25. Juni, zehn neue Stolpersteine an sechs Steglitzer Orten verlegt.

Damit die Namen von jüdischen Mitbürgern nicht vergessen werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig Gedenksteine vor den ehemaligen Wohnhäusern. Am Donnerstag, 25. Juni, sind 10 neue Stolpersteine an sechs Steglitzer Orten verlegt worden. Das Netzwerk Erinnerungskultur des Kirchenkreises Steglitz hatte diese Aktion vorbereitet.

„Mit großem Engagement bemühen sich Stolpersteinpaten um die Recherche der Lebensläufe von NS-Opfern“, sagt Katrin Rudolph, Vorsitzende des Netzwerks Erinnerungskultur im Kirchenkreis Steglitz. „Manche möchten wissen, ob jemand aus ihrem Haus oder ihrer Straße deportiert wurde. Andere übernehmen die Nachforschungen für Angehörige, die aus dem Ausland anfragen“, ergänzt sie.
Dabei fördern die Paten immer wieder erschütternde Informationen zutage. Zum Beispiel das Schicksal von Käthe, Ernst und Beate Schlumberger aus der Heimkehlenstraße 6. Sie hatten in einer ausweglosen Situation gemeinschaftlichen Selbstmord begangen. Auf die Initiative von Susan Hamlyn aus Großbritannien wurden vor dem Wohnhaus drei Stolpersteine verlegt.

Vor dem Haus Nicolaistraße 38 erinnerten viele Bewohner an das Schicksal von drei ehemaligen Bewohnern, die im Konzentrationslager ermordet wurden. Zu ihnen gehört Erna Stapf, die wie ihr Bruder Musikerin war. Während er mit seiner Familie nach Argentinien emigrieren konnte, flüchtete Erna 1942 zunächst nach Zagreb. Dort lebte sie unter anderem Namen und arbeitete in einem deutschen Kriegslazarett. Kurz vor Kriegsende wurde sie im Januar 1945 entdeckt und vermutlich im KZ Jasenovac ermordet. Das Schicksal ist bis heute nicht aufgeklärt. An Friederike Liechtenstein und Martha Israelski erinnern die anderen beiden Stolpersteine. Friederike Liechtenstein wurde am 1. September 1942 mit dem 54. Alterstransport in das KZ Theresienstadt deportiert und dort am 12. September ermordet. Martha Israelski wurde am 5. September 1942 mit dem 19. Osttransport nach Riga deportiert und dort am 8. September ermordet. Für diese drei Stolpersteine hatte sich Nina Haeberlin mit ihrer Tochter und ihrem Sohn engagiert. Als Paten hatten sie auch über das Schicksal der drei jüdischen Einwohner geforscht.

Seit 2005 kümmern sich zwei kirchlich Initiativen um die Stolpersteine im Bezirk. So haben die beiden Kirchenkreise Steglitz und Teltow-Zehlendorf in den vergangenen 10 Jahren 327 Stolpersteine verlegt, davon liegen 153 Stolpersteine in Steglitz. Die kleine Messingtafel auf dem Pflasterstein trägt den Namen und die Lebensdaten der jüdischen Bewohner. Sie sollen daran erinnern, dass in dieser Straße oder in dem Haus Menschen gewohnt haben, die von den Nationalsozialisten vertrieben und ermordet wurden.

Weitere Informationen: http://www.kirchenkreis-steglitz.de/erinnerungskultur.html

KT
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