Bezirk plant den Verkauf der Häuser an der Mudrastraße

Gudrun Laufer fühlt sich wohl in ihrer Wohnung in der Mudrastraße. (Foto: K. Menge)

Lankwitz. "Wir alle wohnen gern hier und wollen nicht weg". Die Senioren im Alter von 65 bis 98 Jahre sind sich einig: Es gibt nichts Besseres als die Seniorenwohnhäuser an der Mudrastraße. Doch der Bezirk hat kein Geld, die Anlage zu erhalten.

Die Mieter wohnen seit vielen Jahren hier. Manche sogar seit 25 Jahren. Alle fühlen sich wohl in ihren Wohnungen.

Und das nicht nur wegen der bezahlbaren Miete. Gudrun Laufer zahlt für ihr hübsches 40 Quadratmeter großes Appartements 286 Euro Warmmiete. Die 70-Jährige zählt zu den jüngeren Bewohnern. "Uns fehlt es an nichts", sagt sie und erwähnt die Handläufe, die sich durch das ganze Haus ziehen und den Bewohnern eine Hilfe beim Laufen sind. Oder die Waschküche mit Waschmaschine auf jeder Etage.

Besonders beliebt sind die Gemeinschaftsräume. "Hier treffen wir uns, essen und feiern zusammen. Niemand ist allein, obwohl alle Bewohner alleinstehend sind". Diese Gemeinschaft möbele die alten Leute regelrecht auf, beschreibt Gudrun Laufer die Vorzüge der Anlage. Die Bewohner können ein selbstbestimmtes Leben führen.

Die Unsicherheit darüber, wie es mit den Häusern in der Mudrastraße weiter gehen soll, setzt den Bewohnern zu. Keiner will hier weg. Keiner möchte noch einmal von vorn anfangen müssen. "Einen alten Baum versetzt man nicht", sagen die Bewohner. Zumal es im Bezirk kaum bezahlbare Alternativen für Senioren gibt. Neben der Mudrastraße gibt es Seniorenwohnhäuser in der Dreilindenstraße in Wannsee mit 108 Wohneinheiten und in der Tautenburger Straße in Lankwitz mit fast 70 Wohnungen.

"Es wird niemand seine Wohnungen verlieren", versichert Sozialstadtrat Norbert Schmidt (CDU). "Die Senioren haben ihre Mietverträge. Die sind sicher, auch bei einem Verkauf der Häuser", betont er und nennt das Beispiel Johannes-/Biesestraße. Die bezirklichen Seniorenwohnungen sind vor Jahren an den Liegenschaftsfonds übergeben und kürzlich an das Katholische Petruswerk verkauft worden. Für die Bewohner hätten sich dadurch keine Nachteile ergeben, erklärt Schmidt.

Neben der Angst, ihre Wohnung zu verlieren, macht sich bei den Senioren Ärger über die Untätigkeit der bezirklichen Verwaltung breit. An den Häusern werde nichts mehr gemacht. Viele Wohnungen stehen leer, obwohl sie nach Ansicht der Bewohner durchaus vermietbar wären.

Nach Angaben von Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD) gibt es tatsächlich keine wirklichen Kaufinteressenten für die Wohnungen im jetzigen Zustand. "Es macht auch keinen Sinn, Wohnungen zu vermieten, bevor eine Entscheidung zur Zukunft der Wohnhäuser getroffen wurde", sagt der Immobilienstadtrat.

Weil die nötigen Sanierungskosten für die Mudrastraße von schätzungsweise rund zehn Millionen Euro die Möglichkeiten des Bezirks bei weitem übersteigen, soll demnächst über eine Abgabe der Wohnungen aus dem Bezirksvermögen entschieden werden.


Karla Menge / KM
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