AG Selbstverteidigung ist ein Erfolg

AG-Leiter und Initiator Selahattin Turap (rechts) und der 17-jährige Nicolas Monier demonstrieren eine Übung zur Selbstverteidigung. (Foto: Nittel)

Lankwitz. In der Sporthalle der Beethoven-Oberschule, Barbarastraße 9, ist es ganz still. 20 Augenpaare beobachten gebannt die fließenden Bewegungen von Selahattin Turap. Der Kampfsportmeister führt eine Übung zur Selbstverteidigung vor, bevor die Schüler selbst antreten dürfen.

Seit mittlerweile vier Jahren leitet Turap, der im richtigen Leben Briefzusteller bei der Deutschen Post ist, ehrenamtlich die Selbstverteidigungs-AG für Schüler von der 7. bis zur 11. Klasse. Und die Begeisterung unter ihnen ist so groß, dass diese AG mindestens noch in diesem Schuljahr fortgesetzt wird.

"Wer sich heute nicht um die Jugendlichen kümmert, braucht sich später nicht zu ärgern", ist einer von Turaps Leitsprüchen. "Es ist wichtig, sich für die jungen Menschen zu engagieren, sie von der Straße zu holen", sagt der Vater von zwei Kindern, die - natürlich - auch an dieser AG teilnehmen: Tochter Aylin (14) und Sohn Tolga (15), der wie sein Vater schon Schwarz-Gurt-Träger ist, tragen das Kampfsport-Gen vermutlich schon von Geburt an in sich. Aber auch die anderen Schüler sind von diesem Projekt vollauf begeistert: "Ich mache jetzt schon seit drei Jahren mit", verrät der 17-jährige Nicolas Monier. "Und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mittlerweile auch mit dem Boxen angefangen habe." Die Selbstverteidigungs-AG und der Kampfsport lehren Disziplin, Respekt und helfen den Schülern, Stress abzubauen. Und das Projekt hat die Kinder und Jugendlichen selbstbewusster gemacht. "Ich habe keine Angst, wenn ich abends unterwegs bin und mir zum Beispiel eine Gruppe von jungen Leuten entgegenkommt", erläutert Nicolas. Selahattin Turap aber weiß, dass dieser Grat sehr schmal sein kann: "Natürlich ist Selbstbewusstsein wichtig - aber ein übertriebenes Selbstbewusstsein oder Arroganz sind gefährlich. Zu glauben, dass einem nichts passieren kann, nur weil man Kampfsport macht, wäre fatal." Entsprechend sind auch verbale und non-verbale Kommunikationsformen zur Deeskalation von Konflikt- und Gewaltsituationen zentraler Bestandteil dieser AG.

Selahattin Turap, der in Kreuzberg aufgewachsen ist und heute in Lankwitz lebt, ist ein guter Beobachter: "Ich sehe bei meiner Arbeit, aber auch hier im Kiez immer wieder junge Menschen, die trinkend oder rauchend vor Supermärkten oder unserer Dorfkirche abhängen. Und ich bin der festen Überzeugung, dass sie das nicht tun, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil es keinen anderen Ort gibt, wo man sich um sie kümmert, wo man ihnen ein vernünftiges und kostenloses Angebot unterbreitet." Und so packt Turap auch weiterhin jeden Mittwoch seine Tasche, um die Schüler von 17 bis 18.30 Uhr in die Geheimnisse des Taekwondo und der Selbstverteidigung einzuweihen. Das kann er aber nicht ohne Unterstützung, wie Turap abschließend erklärt: "Ohne Monika Kocheise von Kwon, die die AG mit entsprechendem Sportgerät unterstützt hat, sowie Michael Grünberg von der Deutschen BKK, der uns regelmäßig in Gesundheitsfragen berät, würde es dieses Projekt nicht geben."


Michael Nittel / min
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