Innenhöfe im Visier: Der Bezirk will die Bebauung verbindlich regeln

Lichtenberg. Der Bauboom macht mittlerweile auch vor Innenhöfen nicht halt. Der Bezirk will diese Form der Bebauung besser steuern und sucht nach Lösungen.

Für viele ist es eine unerwünschte Nebenwirkung des Baubooms. Denn mittlerweile sind auch Innenhöfe begehrter Baugrund. Vielen Anwohnern ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Sie sehen ihre Innenhöfe verbaut.

"Wir waren jüngst mit vielen Einzelfällen konfrontiert", sagt Stadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU). Und zieht jetzt in einem Fall die Reißleine: Anfang Juni stellte die Wohnungsbaugesellschaft Howoge eine Studie vor, nach der auf den Innenhöfen in der Ilsestraße 18-78 noch Platz für eine Bebauung mit acht Stadtvillen und vier Wohnzeilen möglich wäre. Das Bezirksamt hat nun Anfang August entschieden, das Vorhaben "nicht zu befürworten", wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt. Ein Bebauungsplan soll für das Gebiet in der Ilsestraße erstellt werden. Dieses Verfahren soll das Maß der Bebauung festlegen helfen.

Ob diese Innenhofbebauung durch das Verfahren verhindert würde, bleibt offen: "Ich will dem Ergebnis des Bebauungsplanverfahrens nicht vorgreifen", sagt Nünthel gegenüber der Berliner Woche. Die Howoge indes zeigt sich von der Entscheidung des Bezirksamtes "überrascht", wie die Unternehmenssprecherin Sabine Pentrop auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilt. Die Wohnungsbaugesellschaft habe "im bisherigen Abstimmungsprozess mit dem Bezirk" gehandelt, auch als die Howoge-Pläne im Juni der Bezirksverordnetenversamllung präsentiert wurden, sei das Vorhaben als genehmigungsfähig eingestuft worden. "Auf dieser Grundlage haben wir die Planungen weitergeführt", so Pentrop.

Das Bezirksamt indes macht beim Einleiten des Bebauungsplanverfahrens nicht halt und will das Thema "Innenhofbebauung" sogar noch in größerem Umfang betrachten: Eine bezirksweite Studie soll entstehen, die alle Lichtenberger Innenhöfe auf die Sinnhaftigkeit ihrer Bebauung hin untersucht. Zwar mangelt es dem Bezirk nicht an anderen geeigneten Flächen jenseits von Innenhöfen – hierfür hatte das Amt vor fünf Jahren bereits den Bereichsentwicklungsplan Wohnen erarbeitet, der interessierten Investoren Flächen für den Bau von über 12 000 Wohnungen aufzeigt – doch die Innenhöfe hatte das Stadtplanungsamt in diesem Plan nicht auf dem Schirm.

Grundsätzlich wird jedoch weder die neue Studie, noch ein Bebauungsplanverfahren die Bebauung von Innenhöfen verhindern können. "Einzelfälle wird es weiterhin geben", sagt Nünthel. Für den Fall Paul-Zobel-Straße 10 sei es "zu spät". Auch hier plant die Howoge ein Wohnhaus zu errichten und hat bereits den Bauantrag eingereicht. "Er ist genehmigungsfähig", sagt der Stadtrat. KW
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.