Kunstwerk für den Bau einer Supermarktkette zerstört

Das ursprüngliche Relief in seinem Originalzustand wurde zerstört. (Foto: Nikolaus Bode)

Rummelsburg. Schockiert reagieren Kunstfreunde auf den Abriss des Reliefs "Dorf gestern und heute" des Künstlers Nikolaus Bode. Der Bezirk gab nämlich mit der Baugenehmigung für den Rewe-Markt auch grünes Licht für die Zerstörung des Kunstwerks.

Als einen "kulturellen Verlust" bezeichnet die Bezirksverordnete Maja-Helen Feustel (Linkspartei) die Zerstörung des fast vierzig Jahre alten Reliefs in der Weitlingstraße 59–69. Der Künstler Nikolaus Bode hatte es mit dem Titel "Dorf gestern und heute" einst vor einer Kaufhalle errichtet. Die Kaufhalle gibt es nicht mehr, heute steht an ihrer Stelle ein Rewe-Markt. Doch jetzt hat das Unternehmen damit begonnen, den alten Markt abzureißen, um eine modernere Filiale zu bauen. Dem Abriss fiel auch das auf dem Grundstück befindliche Kunstwerk zum Opfer. Ganz zum Leidwesen des Künstlers und vieler Kunstliebhaber: Die Fraktion Die Linke der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) rief zu einem Protest gegen den Abriss auf und machte sich am 15. Juni vor Ort selbst ein Bild von der Zerstörung. Erhalten ist nur noch ein Teilstück des Reliefs. Die Linksfraktion fordert seinen Erhalt.

Die Zerstörung machte Maja-Helen Feustel auch in der BVV am 16. Juni zum Thema. Sie wollte vom Bezirksamt wissen, wie es überhaupt dazu kam, dass ein öffentliches Kunstwerk so einfach der Abrissbirne geopfert wurde. Tatsächlich hatte das Rewe-Unternehmen im Dezember 2015 angeboten, das Relief an den Bezirk zu übergeben, hieß es auf der BVV. Doch das Amt lehnte ab: "Der Rückbau hätte 15 000 Euro gekostet, ein Wiederaufbau war von einem Statiker als schwierig und teuer eingeschätzt worden. Er hätte noch mal 40 000 Euro gekostet", erklärte die Stadträtin Kerstin Beurich stellvertretend für den Stadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU). In seinem Verantwortungsbereich fiel die Entscheidung: Weil das Relief nicht als Baudenkmal eingetragen ist, wurde die Baugenehmigung erteilt – und das Kunstwerk damit zum Abriss freigegeben.

Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD) gab sich auf der BVV ob dieser Entscheidung ihres Kollegen ahnungslos und versicherte, sich dafür einzusetzen, dass nun der noch existierende Teil des Kunstwerks erhalten bleibt. Sie ergänzte jedoch: "Für einen Baustopp gibt es allerdings keine rechtliche Grundlage." KW
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