Nahversorgung im Gensinger Viertel: Keine Besserung in Sicht

Der Stadtplaner Thorsten Wilhelm erklärt das Bauvorhaben "Kalinka". (Foto: Foto: Wrobel)
 
Die "Alpen": Schuttberge an der Gensinger Straße. (Foto: Foto: Wrobel)
Berlin: Gensinger Straße |

Friedrichsfelde. Das Gensinger Viertel gehört zu den drei Gebieten mit der schwierigsten Nahversorgungslage in Berlin. Der Bau einer Einfamilienhaussiedlung mit 75 Häusern könnte das Viertel für Händler attraktiver machen.

"Wir wollen kein exklusives Wohnen, sondern Familien ein bezahlbares Eigenheim bieten", so Felix Krekel. Der Geschäftsführer der "Hanseatischen Immobilien Treuhand" (HIT) stellte am 20. Juli den Bau der Siedlung "Kalinka" bei einer Bürgerversammlung vor.

Dort, wo die DDR-Club-Gaststätte Kalinka nebst "Dienstleistungswürfel" stand, werden 75 Reihenhäuser entstehen. Geplant ist, eine Häuserreihe in einem Sägezahnmuster anzuordnen, um für einen wirksamen Schutz vor dem Verkehrslärm auf der Bundesstraße 1/5 zu sorgen. Dahinter sollen die restlichen Häuser angeordnet werden.

Die jetzigen Anwohner begrüßten bei der Bürgerversammlung das Bauvorhaben, das die einstige Brache beleben soll. Viele beklagten jedoch den Lärm und Staub, den der Abriss des Kalinka-Clubs verursacht hatte. "Ich kann da nur um Verständnis bitten und entschuldigen, wenn beim Abriss nicht regelmäßig gewässert wurde", sagte Bauherr Felix Krekel.

Die Planer hätten es mit tiefen und sehr stabilen Fundamenten aus der DDR-Zeit zu tun gehabt, erklärte er. Der Beton musste aus der Tiefe geholt und zertrümmert werden. Was davon übriggeblieben ist, türmt sich heute zu riesigen Haufen an, die viele Anwohner schon mit den "Alpen" vergleichen.

Wann mit dem Bau der Häuser begonnen wird, ist unklar. Denn das Bebauungsplanverfahren ist noch in Gange. Eine Baugenehmigung ist gestellt, doch ohne Festsetzung des Bebauungsplans kann sie nicht erteilt werden. Gehe alles nach Plan, werde im Frühjahr 2016 begonnen, sagte Krekel.

Vor allem die älteren Anwohner hoffen, dass mit dem Zuzug junger Familien auch schnell die Kaufkraft im Viertel wächst. Das könnte die Gegend attraktiver für Händler machen.

Im Dezember 2012 hatte der Rewe-Markt in der Gensinger Straße 111 geschlossen. Seitdem fehlt es an einem Lebensmittelmarkt im Viertel, was gerade Senioren hart trifft. Wie kritisch die Lage ist, belegt eine Erhebung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Friedrichsfelde-Nord gehört demnach zu den drei Gebieten in Berlin, in denen Nahversorgung besonders schlecht ist – nur an der Heerstraße in Charlottenburg und im Kietz in der Köpenicker Altstadt sieht es noch düsterer aus.

"Es ist von zentraler Bedeutung, dass eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt ist", sagt der Lichtenberger SPD-Abgeordnete Gregor Költzsch, auf dessen Anfrage die Erhebung veröffentlicht worden ist. Derselben Meinung ist der im Viertel direkt gewählte SPD-Abgeordnete Ole Kreins. "Die Nahversorgung ist gerade für die älteren der 6000 Bewohner ein Problem."

Der Sozialdemokrat unterstützt die Gründung des Vereins "Gemeinsam fürs Gensinger Viertel". Der Verein will sich aber nicht nur mit der schlechten Versorgung auseinandersetzen. "Wir wollen uns auch mit Themen wie Sicherheit, den Stolperfallen auf Gehwegen, den fehlenden Sitzbänken beschäftigen. Denn das Viertel soll jungen und alten Menschen gleichermaßen etwas bieten", findet Kreins. KW
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