Viele Neubauten geplant: In den Großsiedlungen wird es enger werden

Da ist noch Platz: Die weitläufigen Innenhöfe in den Großsiedlungen werden zum begehrten Baugrund für neue Geschossbauten. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Zu nah, zu hoch: die Argumente vieler Anwohner bei neuen Bauvorhaben in den Großsiedlungen ähneln sich. Die Probleme, die diese Bebauung mit sich bringt, beschäftigen auch das Bezirksamt.

Immer öfter regt sich Protest der Anwohner gegen neue Wohnbauvorhaben in der Nachbarschaft. In der Paul-Zobel-Straße 10 will die Howoge zwei achtgeschossige Häuser in die Lücke zwischen bestehende Plattenbauten bauen. 70 Wohnungen sollen entstehen. Der Investor Klaus Off plant in der Dolgenseestraße ein noch größeres Projekt: 680 Wohnungen sollen in zwei zehngeschossigen Häusern entstehen – zwischen bestehenden zehngeschossigen Häusern.

Der Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU), bestätigt, dass sich aktuell eine neue Entwicklung abzeichnet: Die Lücken in den Großsiedlungen, die viele Anwohner als großzügige, grüne Innenhöfe wahrnehmen und so auch von den DDR-Stadtplanern gedacht waren, werden zum begehrten Baugrund. Rechtlich ist heute die Bebauung in vielen Fällen möglich. Die Anwohner sehen die Innenhöfe aber nicht selten verbaut. Für die genehmigende Bezirksverwaltung ist dieser Konflikt ein besonderer Knackpunkt: "Wir entscheiden ja nicht willkürlich über Neubauvorhaben. Unser Maßstab ist das geltende Recht. Und das wollen viele Kritiker nicht hören", sagt Nünthel.

"Es gibt immer weniger geeignete Flächen für den Wohnungsneubau, und der ist unser Auftrag", sagt Stefanie Frensch. Die Geschäftsführerin der Howoge bestätigt, dass Innenhöfe in Großsiedlungen immer mehr in den Fokus der Wohnungsbaugesellschaft rücken: "Wir waren jahrelang Bestandshalter, es gibt keine Grundstücksvorräte, auf die wir jetzt zurückgreifen können", sagt sie und ergänzt: "Die Großsiedlungen im Osten Berlins sind aufgrund ihrer geometrischen Anordnung für eine bauliche Ergänzung gut geeignet." Trotzdem versuche die Howoge, ein "verträgliches Maß" der Neubebauung zu finden. "Das bedeutet nicht nur planungsrechtliche Möglichkeiten zu nutzen, sondern auch andere Kriterien zu berücksichtigen – etwa eine gute Aufenthaltsqualität für alle Bewohner zu schaffen."

Der Bezirk will nun trotzdem eingreifen, um nicht bloß von der freiwilligen Kompromissbereitschaft der Bauherren auszugehen. Erst kürzlich hat das Bezirksamt beschlossen, für die Innenhofbebauung in der Ilsestraße 18-78 einen Bebauungsplan einzuleiten. Die Howoge hatte in einer Machbarkeitsstudie ermittelt, dass sich vor Ort bis zu 200 Wohneinheiten bauen ließen. Das Bebauungsplanverfahren ermöglicht es nun, das Maß der Bebauung zu überdenken.

Recht wird ausgeschöpft

Trotzdem könne die genehmigende Behörde auch mit einem Bebauungsplanverfahren nicht verhindern, dass das Baurecht ausgeschöpft würde. Dazu müssten Großsiedlungen schon in ihrer Gesamtheit geschützt werden. "Eine Erhaltungssatzung würde das ermöglichen", sagt Wilfried Nünthel. Aus Sicht der Anwohner wäre das vielfach wünschenswert, weiß der Stadtentwicklungsstadtrat. Doch er hat Bedenken. Denn die Stadtstruktur gerade in Großsiedlungen zu erhalten, hätte Folgen. "Darüber kann man trefflich streiten: Hält man die Großsiedlungen von neuer Bebauung frei, würde der Druck wachsen, Bauland woanders bereitzustellen. Und Bauland wird in Berlin immer rarer. Dafür kämen dann nicht nur Gewerbeflächen, sondern auch Kleingartenanlagen in Frage", schildert Wilfried Nünthel und hebt hervor: "Wir können nicht alles schützen." Er unterstützt den Schutz der Kleingartenanlagen. KW
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