Besuch bei den DDR-Aufklärern am "Campus der Demokratie"

Roland Jahn (rechts) erklärt Antje Kapek (Bündnis 90/ Die Grünen) die Zusammensetzung der Stasi-Akten und die Arbeit der Spitzel. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Am 15. Juni eröffnet die Open-Air-Ausstellung "Revolution und Mauerfall". Es ist ein erster Schritt zum "Campus der Demokratie", der auf dem ehemaligen Gelände der Stasi-Zentrale an der Ruschestraße entstehen soll. Welche weiteren Schritte folgen, das interessiert Antje Kapek, derzeit Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus.

Die Bauarbeiten auf dem Parkplatz vor dem Haus 7 des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit sind in vollem Gange. Hier soll Mitte Juni die Ausstellung "Revolution und Mauerfall" der Robert-Havemann-Gesellschaft eröffnen. Auf 1300 Quadratmetern dokumentiert die zweisprachige Dauerausstellung dann die wichtigsten Stationen der Revolution in der DDR − von den Anfängen des Protests über den Mauerfall bis zur deutschen Einheit.

Es ist ein erster Baustein für den "Campus der Demokratie". Eine Idee, aus der einstigen Stasi-Machtzentrale einen Lernort über die DDR-Vergangenheit zu machen. Doch die Entwicklung der Campus-Idee geht trotz Ausstellungseröffnung nur zaghaft voran. Wo es bei der Umsetzung der Pläne knirscht, das wollte die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, bei einem Besuch vor Ort herausfinden.

Die Robert-Havemann-Gesellschaft sucht dringend nach einer räumlichen Zwischenlösung, nachdem sie ihr Haus in der Schliemannstraße 33 bis zum 31. Juli räumen muss. "Wir brauchen vom Land Berlin dringend eine Entscheidung", gab der Geschäftsführer der Gesellschaft, Olaf Weißbach, beim Besuch von Kapek zu verstehen. So sei zwar vorgesehen, dass die Havemann-Gesellschaft mit ihrem Archiv in den Nordflügel von Haus 7 zieht, doch wird dieser sanierungsbedürftige Flügel nicht vor 2019 bezugsfertig. "Wir könnten als Zwischenlösung in das Haus 22 ziehen", sagt Weißbach. Das denkmalgeschützte, frühere "Offizierskasino" wird derzeit für Bildungsveranstaltungen der Stasi-Unterlagenbehörde und des Stasi-Museums genutzt. "Bis Ende Juli muss eine Entscheidung her", drängt Weißbach.

Dagegen scheint die Entscheidung gefallen, dass die bisherige Stasi-Unterlagenbehörde umstrukturiert wird. Darauf hat sich nach zähen Auseinandersetzungen eine vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission verständigt. Für die Campus-Idee soll die Umstrukturierung jedoch keine Folgen haben: Das Stasi-Archiv soll in der Normannenstraße verbleiben und auch weiterhin Auskünfte erteilen. Ergänzend zu der Open-Air-Ausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft und dem Stasi-Museum wird derzeit sogar an einer dritten Ausstellung im Stasi-Archiv selbst gearbeitet. Damit soll auch das Haus 7 ein Ort der direkten öffentlichen Auseinandersetzung mit der Stasi werden. Geplant ist eine Ausstellung, welche die "bedrückende Aura" der Spitzelarbeit erlebbar machen soll: Schaustücke in den Fluren des historischen Stasi-Baus könnten dann Akten und Biografien Einzelner begehbar machen und über die Funktionsweise der Datensammlung informieren. Die Eröffnung dieser Ausstellung ist für das Frühjahr 2017 geplant. KW
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