Erste Berliner Kinderbibel erschienen: Lichtenberger Grundschüler gestalteten sie mit

Einige Schüler haben "Schöpfungslampen" gebastelt. Mit Abbildungen der Arbeiten beginnt die Kinderbibel. (Foto: Berit Müller)
 
Im Bauch der schwangeren Rebekka bereits kämpfen die Brüder gegeneinander. Julia schreibt, dass es "rumpelt und pumpelt". (Foto: Berit Müller)

Lichtenberg. Verstehen Kinder die Bibel? Wie geht die Jugend von heute mit den Texten von damals um? Bisweilen verblüffende Antworten gibt die erste Berliner Kinderbibel. Mädchen und Jungen aus sechs Evangelischen Schulen haben Geschichten aus dem Buch der Bücher nacherzählt und selbst illustriert. Mit am Werk waren zwei Klassen aus Lichtenberg.

Am fünften Tag dauerte es ein Weilchen, bis Gott endlich auf die Idee kam, weitere Tiere zu erschaffen. Jedenfalls hat die neunjährige Charlotte das so in Erinnerung und aufgeschrieben: „Dann fiel ihm etwas ein. Ja, das ist gut, das mache ich! Auf einmal wimmelte das Wasser voller Lebewesen und auch in der Luft waren viele Tiere. Gott war glücklich. Er sprach: Ach, ich finde meine Arbeit sooo toll!!!“ Ein wenig Eigenlob darf sich Gott am fünften Schöpfungstag offenbar erlauben.

Friedo (11 Jahre) kann mit dem Begriff Salzsäule so gar nichts anfangen, weshalb Loths Frau beim verbotenen Rückblick auf Sodom und Gomorra in seiner Version zu Zucker wird. Und die elfjährige Julia lässt es im Bauch der schwangeren Rebekka „rumpeln und pumpeln“, wie beim Grimmschen Wolf, der die Geißlein verschlungen hat.

Ausgewählte Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament haben 235 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 15 Jahren erst gehört und dann aufgeschrieben – mit ihren Worten, in ihrer Handschrift. Dazu klebten sie Collagen, malten bunte Bilder, bastelten Tape-Art, Gipsmodelle und „Schöpfungslampen“. Zusammengefügt ist die erste Berliner Kinderbibel entstanden. Herausgegeben hat den 198-Seiten-Band die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, kurz EKBO.

Die Idee stammt aus Thüringen, wo die Literaturwissenschaftlerin Dr. Annette Seemann im Jahr 2011 die Weimarer Kinderbibel aus der Taufe hob. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum sollte das interdisziplinäre Projekt jungen Menschen das Leben und Werk von Martin Luther näherbringen. „Dank Luther wurden Deutungen der Bibel erst möglich“, sagt Frank Olie, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung. Unterschiedliche Sichtweisen auf das Buch der Bücher habe es seitdem immer gegeben. „Die unspektakulärste, doch prägnanteste ist wohl die aus Kindersicht.“

Fünf ihrer Schulen in Berlin und Brandenburg konnte die Stiftung für das Berliner Kinderbibel-Projekt gewinnen, darunter die Evangelische Schule Lichtenberg in der Rummelsburger Straße. Thomas Moldenhauer ist dort Religionslehrer und Mitglied des Schulleitungsteams. Er saß im Komitee, das aus den vielen Büchern und Kapiteln der Lutherbibel neun Geschichten herauspickte.

„Wir suchen immer nach Gelegenheiten, die biblischen Texte in den Alltag zu übertragen“, sagt Moldenhauer. „Am Anfang stand also die Frage: Was könnte die Schüler interessieren und bewegen? Schließlich haben wir uns für Auszüge mit aktuellem Bezug entschieden – wie die Geschichte vom barmherzigen Samariter oder jene vom verlorenen Sohn.“

Die Kinder hörten jede Episode nur ein einziges Mal – und zwar von Erwachsenen, die ein besonderes Verhältnis zur Bibel haben. Unter den Vorlesern finden sich prominente Namen: Regisseur Leander Hausmann, die Schauspielerin Anneke Schwabe, der Autor und Künstler Hannes Niepold. Acht Wochen dauerte das Nachschreiben der Texte, noch einmal zwölf Wochen gingen ins Land, bis alle Illustrationen fertig waren.

Dass sie dabei völlig freie Hand hatten, fanden die Kinder einerseits prima. Manche haben es aber auch als Herausforderung empfunden. „Der Anfang war schwer“, erinnert sich der zwölfjährige Justus, der ein farbenprächtiges Tape-Art-Bild (Kunst aus bunten Klebestreifen) beigesteuert hat. „Ich habe mich erst nicht so richtig getraut. Aber dann hat es doch großen Spaß gemacht.“

Klara (13) erzählt, dass ihr fast zu viele Bilder im Kopf herumschwirrten. „Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welche Situation ich darstellen will.“ Die Illustration der Samariter-Geschichte ist ihr am Ende wunderbar gelungen.

750 Berliner Kinderbibeln hat die Evangelische Schulstiftung für die Erstausgabe drucken lassen, vorgestellt auf dem Kirchentag im Mai waren 60 Exemplare im Handumdrehen verkauft. Weil außerdem alle beteiligten Schüler ein Buch bekommen, dürfte eine zweite Auflage nicht lange auf sich warten lassen.

Die erste Berliner Kinderbibel ist im Buchhandel erhältlich, sie kostet 19,50 Euro. bm

Infos über die Schulstiftung und weitere Projekte auf www.schulstiftung-ekbo.de
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